Hermes Kredit leidet unter der Pleitewelle

Von Herbert Fromme, Hamburg Die Holzmann-Pleite kostet die zur Allianz-Gruppe gehörende Hermes Kreditversicherung knapp 85 Mio. Euro. Davon stammen unter 10 Mio. Euro aus der Warenkreditversicherung, mit der sich Lieferanten abgesichert haben. Bei der Garantie-und Kautionsversicherung betrage der zu reservierende Schaden rund 75 Mio. Euro für Hermes, sagte Vorstandschef Bodo Goschler. Den Hauptteil decken Rückversicherer, Hermes reicht 58 Prozent seines gesamten Geschäfts an sie weiter.

„Wir haben vor allem die Mängelgewährleistung und den Vertragsausfall versichert“, sagte Goschler. Da auf den meisten Baustellen weiter gearbeitet werde, gehe er davon aus, dass Hermes dort nicht nennenswert in Anspruch genommen werde.

Trotzdem bleibt Holzmann ein bedeutender Schadensfall für die Branche. Die Hermes-Gruppe hat einen Marktanteil von 43 Prozent in Deutschland. Wenn man ihre Zahlen hochrechnet, ergibt sich aus dem Fall Holzmann ein Gesamtschaden von knapp 200 Mio. Euro für Kredit-und Rückversicherer.

Goschler verabschiedet sich Mitte des Jahres in den Ruhestand, dann folgt Vorstandsmitglied Clemens Freiherr von Weichs an der Spitze des Unternehmens. Er kam 2001 von der Allianz. Freiherr von Weichs ist Mitglied des Vorstands der Pariser Euler & Hermes. Die Münchner Mutter spannte die beiden Kreditversicherer Anfang des Jahres zusammen. Jetzt gehört Hermes zu 100 Prozent der Euler & Hermes SA, die wiederum zu 56 Prozent im Besitz des französischen Allianz-Gruppenmitglieds AGF ist. Weitere zehn Prozent hält die Allianz direkt, rund 32 Prozent sind im Streubesitz und zwei Prozent Eigenbestand der Gesellschaft. Der Name Hermes soll erhalten bleiben, aber ein Bezug zu Euler & Hermes in der Unterzeile hergestellt werden, sagte Vorstand Juliane Kutter.

Etwas bemüht kam den Hamburger Managern das Lob auf die Fusion über die Lippen – die Enttäuschung über den Verlust der größeren Selbstständigkeit ist noch nicht überwunden. Freiherr von Weichs verwies auf die positiven Faktoren: Weltweit entstehe so die größte Kredit-versicherungsgruppe mit sich ergänzenden regionalen Vertretungen, außerdem könne man die Produktpalette ergänzen und das Risiko diversifizieren. Weltweit haben Euler & Hermes mit Prämien von 1,9 Mrd. Euro einen Marktanteil von 39 Prozent.

Mit einem Brutto-Gruppenumsatz von 666 Mio. Euro, ein Plus von neun Prozent, ist Hermes klar der Juniorpartner in der Ehe mit Euler. Die französische Gruppe kommt fast auf das Doppelte. Beim Umsatz spielen die so genannten Hermes-Deckungen keine Rolle, das sind staatliche Bürgschaften, die Hermes gemeinsam mit PricewaterhouseCoopers Deutsche Revision nur verwaltet.

Das Jahr 2001 war schwierig für den Kreditversicherer, der unter dem starken Anstieg der Insolvenzen litt. In Deutschland wurden 32 278 Unternehmen zahlungsunfähig, verglichen mit 28 235 im Vorjahr. Für 2002 sieht Goschler kaum eine Entspannung. Allerdings habe die Gruppe durch höhere Preise und eine bessere Risikoauswahl die Voraussetzungen dafür geschaffen, in 2002 das Ergebnis wieder zu verbessern. „Dafür nehmen wir notfalls auch Umsatzeinbußen hin“, sagte er.

In 2001 verschlechterte sich die so genannte Combined Ratio oder Schaden-Kostenquote, die zentrale Kennzahl der Branche, für das eigentliche Versicherungsgeschäft von 85 Prozent auf 131 Prozent – Schadensaufwand und Kosten lagen also um 31 Prozent über den Prämieneinnahmen. Nur durch Entnahmen von 25 Mio. Euro aus Schwankungsrückstellungen, sowie durch Erträge aus dem Verkauf von Geschäft in Ländern, aus denen sich Hermes zurückzieht, und durch hohe Kapitalerträge, konnte das Unternehmen einen Gewinn von 30 Mio. Euro zeigen, nach 50 Mio. Euro.

Zitat:

„Wir nehmen notfalls auch Umsatzeinbußen hin“ – Hermes-Chef Goschler

Quelle: Financial Times Deutschland


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