MLP-Chef Termühlen wagt ehrgeizige Gewinnprognosen

Von Herbert Fromme, Frankfurt Der im Dax notierte Finanzdienstleister MLP erwartet einen weiteren Gewinnanstieg für 2002. Das Vorsteuerergebnis soll von den 151 Mio. Euro (plus 31 Prozent) des vergangenen Jahres auf 195 Mio. Euro steigen, für 2003 sagte Vorstandschef Bernd Termühlen sogar einen Gewinn von 250 Mio. Euro voraus. Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg 2001 um 60 Prozent auf 99 Mio. Euro. Dazu trug auch die Steuerreform bei, die Steuerbelastung sank trotz des höheren Gewinns von 53 Mio. Euro auf 52 Mio. Euro. Die Aktie legte um 5,7 Prozent auf 76,10 Euro zu.

MLPs Stärke ist die enorme Vertriebskraft, die seine 2600 Vertreter bei der Zielgruppe akademische Berufsanfänger und andere gehobener Privatkunden entwickeln. Kaum ein Versicherer kann es sich leisten, nicht mit MLP zusammenzuarbeiten – entsprechend hoch können MLPs Provisionsforderungen sein. Gerade wachstumsschwache Gruppen müssen in der zunehmend heftiger werdenden Konkurrenz unter den Finanzdienstleistern für den Zugang zu hochvolumigen Absatzkanälen teuer bezahlen.

Haupteinnahmequelle des Konzerns ist die Vermittlung von Versicherungen, Geldanlagen und Finanzierungen. Die MLP Finanzdienstleistungen AG, für die die Vertreter arbeiten, erzielte einen Provisionsumsatz von 378 Mio. Euro, 30 Prozent mehr. Mit 117 Mio. Euro Gewinn vor Gewinnabführung (plus 34 Prozent) trug das Vermittlungsunternehmen 78 Prozent zum Vorsteuerergebnis des Konzerns bei.

„Von den Provisionen stammen mehr als 80 Prozent von Versicherern außerhalb unserer Gruppe“, betonte Termühlen. Der Verkauf von Lebensversicherungen dominiert: 230 Mio. Euro der Provisionseinnahmen – plus 40 Prozent – stammten aus Lebenspolicen, der Anstieg war dem Boom von Berufsunfähigkeitsprodukten geschuldet, bei denen hohe Provisionen zu Beginn fällig werden. Die Versicherer und die Bank des Konzerns dienen im wesentlichen dem Zweck der Kundenbindung und der Kanalisierung von Geschäft.

In diesem Jahr soll die Riester-Rente helfen, die hohen Wachstumsziele zu erreichen. Bisher habe MLP rund 20 000 Verträge abgesetzt.

Termühlen ist überzeugt davon, dass sein Geschäftsmodell auch in anderen Märkten funktioniert. In Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und – seit kurzem – Spanien ist der Konzern bereits tätig. In 2003 soll Frankreich folgen, in 2004 Italien. Vermutlich um 2005 werde man „sehr vorsichtig“ in die USA expandieren, um dort zunächst Erfahrungen zu sammeln.

Zitat:

„Wir erwarten rund 100 000 neue Kunden in 2002“ – Bernhard Termühlen

Das Kapital Seite 19.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import