Swiss Life schweigt zu neuer Strategie

Von Herbert Fromme, Köln Der größte Schweizer Lebensversicherer Rentenanstalt/Swiss Life vermochte es bei der Vorstellung seiner Jahreszahlen gestern nicht, Spekulationen über die Zukunft des Konzerns zu zerstreuen. „Zur Strategie haben wir nichts zu sagen“, zitiert die Agentur Reuters den Swiss-Life-Chef Roland Chlapowski. Chlapowski ist seit Ende Februar im Amt, nachdem der langjährige Konzernchef Manfred Zobl zurücktrat und das Unternehmen eine grundlegende Neubestimmung seiner Strategie ankündigte. Vorausgegangen waren ein dramatischer Einbruch des Aktienkurses und eine deutliche Gewinnwarnung.

Nach Angaben aus Versicherungskreisen hat eine internationale Investmentbank inzwischen ein Mandat von Swiss Life erhalten. Unterschiedlich sind die Meinungen über den Umfang dieses Auftrags. Schweizer Quellen sprechen davon, dass zunächst der Verkauf von Tochterunternehmen in der Schweiz und im Ausland geprüft wird, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Carsten Zielke, Chef-Versicherungsanalyst bei WestLB Panmure, glaubt dagegen, dass die Swiss Life einen internationalen Partner sucht. „Das ist uns von informierter Quelle bestätigt worden“, sagte Zielke.

Sicher ist, dass die Krise des Unternehmens zahlreiche Arbeitsplätze kosten wird. Bis Ende 2003 sollen 800 von 12 800 Arbeitsplätzen wegfallen. Die Verwaltungskosten will das Unternehmen noch in diesem Jahr um 170 Mio. Franken senken, ab 2003 sollen die jährlichen Einsparungen über 300 Mio. Franken betragen.

Dominique Morax, ein enger Vertrauter des früheren Konzernchefs Zobl, verliert an Einfluss. Er tritt als Finanzchef zurück, bleibt aber Chief Investment Officer. Ein neuer Finanzchef wird gesucht.

Der Konzern wies für 2001 einen Gewinn von 124 Mio. Franken aus, nach 924 Mio. Franken im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 19,98 Mrd. Franken, davon waren 15,63 Mrd. Franken Versicherungsprämien. Das Finanzergebnis brach um 38 Prozent auf 6,47 Mrd. Franken ein. Bei den verwalteten Vermögen musste die Swiss Life einen leichten Rückgang von einem Prozent auf 203,33 Mrd. Franken melden.

Besonders beunruhigend ist die Entwicklung des Eigenkapitals: Es ging von 7,67 Mrd. Franken Ende 2000 auf 4,98 Mrd. Franken am 31. Dezember 2001 zurück. In diesem Zeitraum wurden die Bewertungsreserven oder stillen Reserven – die Differenz zwischen Buchwert und Marktwert von Kapitalanlagen – faktisch vernichtet. Ende 2000 wies die Swiss Life noch 3,29 Mrd. Franken Bewertungsreserven auf, ein Jahr später waren gerade noch 44 Mio. Franken übrig geblieben.

Die Swiss Life leidet unter mehreren Problemen – hausgemachte und von der Schweizer Politik herbeigeführte. Zu den hausgemachten gehört die Überexpansion. Zobl, der 1993 Chef der damaligen Schweizerischen Rentenanstalt wurde, und Finanzchef Morax wandelten den Versicherungsverein in eine Aktiengesellschaft um und änderten den Namen von Schweizerische Rentenanstalt in Swiss Life. Zobl und Morax wollten den traditionellen Lebensversicherer zu einem Global Player umbauen. In der Folge kauften sie zahlreiche Firmen und Beteiligungen, darunter Asset Manager, Finanzberatungen, Beteiligungsgesellschaften, die Banca del Gottardo und das Frankreichgeschäft der Fortis.

Trotz der teuren Übernahmen blieb die Gruppe nur mittelgroß. Als schließlich die Aktienkurse einbrachen, trat die Krise zu Tage. Erstens fehlt der Ertrag aus Aktienverkäufen, zweitens kann sie ihre eigenen Aktien kaum als Währung einsetzen.

Katastrophal wirkt sich auch das Festhalten der Schweiz an der gesetzlich vorgeschriebenen Überschussbeteiligung von vier Prozent aus, die Lebensversicherer ihren Kunden in der obligatorischen betrieblichen Altersversorgung gutschreiben müssen. Der Zinssatz, den die Versicherer ihrerseits auf dem Kapitalmarkt erzielen, liegt unter vier Prozent, die schwachen Aktienmärkte tun ihr Übriges. Jetzt reagiert die Swiss Life mit fondsgebundenen Produkten, die das Anlagerisiko den Kunden übertragen, und Prämienzuschlägen für bestehende Verträge. Bis 2003 werde das Gruppengeschäft wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen, versprach Chlapowski.

Quelle: Financial Times Deutschland


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