Swiss Re ist trotz Verlust selbstbewusst

Von Herbert Fromme, Zürich Einen lang anhaltenden Aufschwung für die Rückversicherer erwartet die Swiss Re, nach der Münchener Rück die Nummer zwei im Weltmarkt. „Seit 18 Monaten hat sich diese Entwicklung abgezeichnet, die dann durch den 11. September erheblich beschleunigt wurde“, sagte Konzernchef Walter Kielholz. Die Vertragserneuerungen in Asien, die zum 1. April fällig wurden, führten zu Preiserhöhungen von durchschnittlich 25 Prozent. Zum 1. Januar 2002, dem wichtigsten Erneuerungstermin, hatte die Swiss Re Erhöhungen von 15 Prozent erreicht.

Das World Trade Center habe die Branche mindestens 50 Mrd. $ gekostet, noch teurer sei der Zusammenbruch der Kapitalmärkte mit 53 Mrd. $ gekommen. Das nach dem 11. September in den Markt geströmte frische Geld, das Kielholz auf 31 Mrd. $ bezifferte, könne die Kapitalknappheit nicht wettmachen.

Allerdings werden nicht alle Rückversicherer ähnlich wie die Swiss Re vom harten Markt profitieren können, glaubt Kielholz. Die hohen Schäden und die Einbußen an den Aktienmärkten hätten tiefe Spuren hinterlassen. „Manche haben innere Blutungen, und werden davon erbleichen“, sagte er.

Jubilieren über das Jahr 2001 kann auch die Swiss Re nicht. Sie hat – ein seltenes Ereignis für einen großen Rückversicherer – einen Verlust nach Steuern von 165 Mio. Franken eingefahren. In 2000 hatte sie noch 2,97 Mrd. Franken verdient. Kielholz nannte die beiden Hauptgründe für die drastische Verschlechterung: Der Terroranschlag vom 11. September kostete die Swiss Re selbst nach Erstattung durch andere Rückversicherer, bei denen sie Schutzdeckungen hatte, 4,22 Mrd. Franken vor Steuern und 2,95 Mrd. Franken nach Steuern. Zweitens das Kapitalergebnis: Die laufenden Kapitalerträge stiegen zwar um 20 Prozent auf 5,77 Mrd. Franken, aber die Sondererträge aus dem Verkauf von Aktien brachen um 38 Prozent auf 2,67 Mrd. Franken ein. Das kam nicht unerwartet. Anfang 2000 hatte die Swiss Re in großem Stil Aktien verkauft und dafür festverzinsliche Papiere gekauft. Dieser Effekt fiel 2001 weg – im Gegenteil, seit Oktober verstärkt das Unternehmen vorsichtig seine Aktienbestände wieder.

Trotz des Verlustes glauben Kielholz und seine Kollegen, dass sie besser aufgestellt sind als die Konkurrenz, um den Marktaufschwung nutzen zu können. In 2002 werde man an die positive Gewinnentwicklung der Vorjahre anknüpfen. Festlegen auf eine Zahl wollte Kielholz sich nicht.

Für die Swiss Re spricht nach ihrer Auffassung, dass sie frühzeitig Altlasten bereinigt hat, zum Beispiel Verpflichtungen aus Asbestdeckungen gegen Kompensationszahlungen abgegolten hat.

Auch beim Eigenkapital stehe man nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung im November, die brutto 6 Mrd. Franken brachte, besser da als mancher Konkurrent. In den nächsten 12 bis 18 Monaten sind keine Kapitalmaßnahmen geplant. Außerdem habe das Unternehmen seine Kosten im Griff: im Schaden-und Unfallbereich sank die Quote von 6,5 Prozent der Beiträge auf 5,1 Prozent.

Auf den 11. September habe das Unternehmen im Risikomanagement richtig reagiert und Terrorrisiken ausgeschlossen. „Jetzt arbeiten wir mit anderen daran, wieder marktkonforme Lösungen anzubieten“, sagte Kielholz mit Blick auf den Luxemburger Terrorschaden-Versicherer, an dem sich die Swiss Re neben der Allianz und vier anderen beteiligt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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