Axa stellt Sanierung vor Wachstum

Von Herbert Fromme und Rolf Lebert, Köln Die Axa-Gruppe hat keine aktuellen Pläne, durch Übernahmen ihren schrumpfenden Marktanteil in Deutschland zu erhöhen. Auch an der zum Verkauf stehenden Gerling-Gruppe ist der Konzern – die Nummer vier im deutschen Erstversicherungsmarkt – nicht interessiert, sagte Vorstandschef Claus-Michael Dill im Gespräch mit der Financial Times Deutschland. „Die Übernahme einer Bank steht ebenfalls nicht zur Debatte.“

Stattdessen baut die Gruppe den Vertrieb über Makler und Finanzvertriebe aus und hat dafür ihren Anteil am Bremer Vertrieb Proventus von 33 auf 49 Prozent erhöht. Bei Tecis hält die Axa bereits zehn Prozent, mit AWD und neuerdings wieder MLP gibt es Vertriebsabkommen.

Für den eigenen Außendienst hat Dill eine Qualifizierungsoffensive gestartet. Außerdem will er die Arbeitsprozesse im Unternehmen optimieren und dadurch die Kosten drastisch senken. Dabei bleibt die Arbeitsplatzgarantie intakt, die das Unternehmen seinen 10 500 Mitarbeitern gegeben hat.

Dill gibt sich kämpferisch. Das ist auch nötig: Die deutsche Axa ist unter Druck. Seit Jahren wächst das Unternehmen schwächer als der Markt – zum Missfallen der anspruchsvollen Pariser Mutter. Industriekunden vergrätzte der Konzern nach dem 11. September, als er mehreren Tausend Unternehmen innerhalb von drei Wochen nach dem Anschlag die Deckung kündigte.

Auch intern knirscht es. Vertriebschef Rolf Richter ging mit 55 in den Ruhestand. Von Vorstand Wolfram Nolte, der für das Lebensgeschäft zuständig war, trennte sich Dill im März Knall auf Fall. Über den Konzernchef selbst wird seit Monaten gestreut, er wolle das Unternehmen verlassen. „Alle Gerüchte, dass ich die Axa verlasse, sind falsch“, dementierte er. Wer in Deutschland „ein wenig munterer als andere“ sei, werde leicht zum Objekt von Neugierde. „Da spielt auch Missgunst mit.“

Die Wachstumsschwäche gelte nicht allgemein, sagte Dill. In der Krankenversicherung wachse die Axa rasch, der Spezialversicherer Deutsche Ärzte Versicherung habe sich nach einem Wechsel im Management mit hohen Zuwachszahlen zurück gemeldet. Auch in der fondsgebundenen Lebensversicherung gehe es gut voran.

Trotzdem gehöre die Axa nicht zu den Wachstumsspitzenreitern. Dafür gebe es gute Gründe. „Wir haben den Ertrag vor das Volumen gestellt.“ Beispiel Riester: Der Konzern habe kein Geld für besondere Vertriebsmaßnahmen oder Werbung ausgegeben – die individuelle Riester-Rente lohne sich kaum. Bisher hat die Axa nur 16 500 Verträge verkauft, dazu kommen 1500 über Tchibo abgesetzte Policen.

Auch im Großgeschäft mit den Tarifparteien kam die Axa nicht zum Zug. „Wir haben bewusst Ausschreibungen nicht verfolgt, bei denen die Konditionen nicht attraktiv waren“, sagte Dill. Hoffnungen setzt er auf die betriebliche Altersversorgung mittelständischer Unternehmen. „Wir spüren sehr viel Interesse. Das kann man aber erst Ende des Jahres beurteilen.“

Die Axa habe sich auch bewusst von verlustbringendem Industriegeschäft und defizitären Autoflotten getrennt. „Ich stehe dazu, dass wir konsequenter waren als die Konkurrenz.“ Aufgeben wolle er das Geschäft nicht, „sonst würde ich mir damit nicht solche Mühe machen“.

Ziel sei eine Combined Ratio von 104 Prozent, statt 112 Prozent 2001. Diese Quote drückt aus, wie viel von den Prämieneinnahmen ein Versicherer für Schäden und Kosten ausgibt. Mit 104 Prozent könne man durch laufende Kapitalerträge noch Gewinn machen. „Die Zeiten, in denen Sondergewinne aus Aktienverkäufen hohe technische Verluste ausgleichen können, sind vorbei“, sagte Dill

Der fehlender Bankvertrieb sei eine Tatsache. Dills Hoffnung: „Mittelfristig werden wir noch viele Veränderungen sehen. Der Sparkassensektor und der Genossenschaftssektor werden sich öffnen. Da werden sich für uns schöne Chancen als Mitanbieter ergeben.“

Zitat:

„Die individuelle Riester-Rente lohnt sich für die Anbieter kaum“ – Axa-Konzernchef Claus-Michael Dill

Quelle: Financial Times Deutschland


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