Barmenia setzt auf eigene Wachstumsstärke

Von Ilse Schlingensiepen, Wuppertal Für Josef Beutelmann, Chef der Barmenia-Gruppe, steht fest: Mittelgroße Allspartenversicherer können sich unabhängig am Markt behaupten, auch wenn Analysten und Rating-Agenturen die Zukunft nur bei Branchenriesen und Nischenanbietern sehen. „Wir sind in den letzten Jahren permanent gewachsen, das wollen wir durch Fusionsgespräche nicht stören“, sagte Beutelmann. Die Barmenia habe in allen Sparten die Versicherungstechnik im Griff, betreibe ein professionelles Kapitalanlagemanagement und gewinne ständig neue Vertriebspartner. Da mache ein Zusammenschluss keinen Sinn. „Die Rater wissen nicht, wovon sie reden“, kritisierte Beutelmann.

Die Barmenia verbuchte 2001 Beitragseinnahmen von 1,2 Mrd. Euro. Der Zuwachs lag mit 3,8 Prozent über den 2,8 Prozent des Marktes. Mehr als drei Viertel stammen aus der privaten Krankenversicherung (PKV).

Wenn ihr die Politik keinen Knüppel zwischen die Beine wirft, will die Gruppe über einen Ausbau ihres Vertriebs, innovative Produkte und die Verbesserung des Services weiter wachsen. Bei der Prognose für 2002 rechnet der Vorstandschef mindestens mit einem marktkonformen Wachstum von vier Prozent in der Krankenversicherung.

Die Absicht der Bundesregierung, durch eine Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze – die so genannte Friedensgrenze zwischen PKV und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) – noch mehr Menschen zu GKV-Mitgliedern zu machen, könnte das Unternehmen aber im Mark treffen. Die Branche rechnet mit einem Rückgang des Neugeschäfts um bis zu 40 Prozent. Ein solcher Schritt würde die PKV bedrohen, der GKV aber nicht helfen, sagte Beutelmann.

2001 betrugen die Beitragseinnahmen in der Krankenversicherung 921 Mio. Euro, plus 5,6 Prozent. Die Versicherungsleistungen stiegen um 4,1 Prozent auf 643 Mio. Euro. Das Kapitalanlageergebnis fiel von 182 Mio. Euro auf 144 Mio. Euro, der Jahresüberschuss von 93 Mio. Euro auf 76 Mio. Euro. In der Lebensversicherung sanken die Prämieneinnahmen um 3,6 Prozent auf 174 Mio. Euro, die Schaden-und Unfallversicherung legte um ein Prozent auf 80 Mio. Euro zu.

Quelle: Financial Times Deutschland


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