Anlagenbauer Babcock Borsig ringt ums Überleben

Unternehmen benötigt 200 Mio. Euro bis Dienstag · 1000 Stellen in Gefahr

Von Herbert Fromme, Köln Die IG Metall und die Betriebsräte des Oberhausener Anlagenbauers Babcock Borsig haben für heute ein Gespräch angesetzt, um die drohende Pleite des Konzerns doch noch abzuwenden. Sie wollen darüber beraten, ob und wie sie sich an dem Rettungskonzept für den Konzern beteiligen. Gestern Abend fand bereits ein Gespräch zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite statt, bei dem das Management seine Einsparvorschläge vorlegen wollte.

Als eine Bedingung für eine weitere Finanzspritze verlangen die Banken, dass auf der Arbeitnehmerseite 50 Mio. Euro eingespart werden. Dabei geht es auch um den Abbau von 1000 Stellen, hieß es im Unternehmen. Betriebsrat und Gewerkschaften hätten bereits zugestimmt, auf die tarifliche Lohnerhöhung und Sonderzahlungen für Juni zu verzichten.

Am Freitag hatte Babcock Borsig bekannt gegeben, dass kurzfristig Liquidität von 200 Mio. Euro fehle. „Wenn die Gespräche nicht bis Dienstag, den 25. Juni 2002, erfolgreich abgeschlossen sind, wird es der Gesellschaft nicht möglich sein, die Juni-Gehälter auszuzahlen“, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Babcock Borsig führe Gespräche mit „dem Kernbankenkreis und einigen Anteilseignern“ zur Umsetzung eines Restrukturierungskonzepts, das die Unternehmensberater Roland Berger und BDO im Auftrag der Banken erarbeitet hätten.

Die Kernbanken sind WestLB, Dresdner Bank, Commerzbank und Deutsche Bank. WestLB und Deutsche Bank sind auch Großaktionäre und halten 8,5 Prozent beziehungsweise 8,8 Prozent.

Als Grund für die Liquiditätskrise nannte das Unternehmen die knappere Kreditvergabe auf Grund höherer Risikoanforderungen. Außerdem seien Großaufträge später abgerechnet worden. Der Verkauf von 25 Prozent der Anteile an der Werft HDW, den Babcock im März überraschend bekannt gegeben hatte, habe nichts mit der Krise zu tun.

Ursprünglich hatte Babcock Borsig mit einem Verlust im „niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ für das Geschäftsjahr 2001/2002 gerechnet, das am 30. September endet. Laut Nachrichtenagentur Reuters gehen Aufsichtsratsmitglieder jetzt von rund 500 Mio. Euro Verlust aus.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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