R+V spielt Vorteile des Verbundes aus

Von Herbert Fromme, Wiesbaden Die 2001 vollzogene Fusion der beiden genossenschaftlichen Zentralbanken DG Bank und GZ-Bank hilft der Versicherungsgruppe R+V, dem Raiffeisen-und Volksbanken-Versicherer, bei der Lösung eines seit langem schmerzenden Problems. In Bayern und Baden-Württemberg verkaufen die meisten Genossenschaftsbanken statt der Policen ihres Gruppenmitglieds R+V die der Konkurrenz: In Bayern ist die Allianz gut im Geschäft, in Baden-Württemberg die Karlsruher, die zur Münchener Rück gehört.

Mit 78 Prozent hält die neue DZ Bank jetzt die Mehrheit an dem Versicherer und hat die R+V konsolidiert. „Da schaut die Gruppe ganz anders auf diese Dinge“, sagte R+V-Chef Jürgen Förterer. „Alles, was der R+V nutzt, nutzt jetzt unmittelbar auch der DZ Bank.“

Aus dem Verbund ist zu hören, dass der Druck der Zentrale auf die abtrünnigen Genossen in Süddeutschland deutlich stärker geworden ist. Davon will Förterer nichts wissen. „Wir sprechen freundschaftlich mit den einzelnen Banken.“ In Bayern helfe, dass die Allianz seit der Übernahme der Dresdner Bank von den Genossenschaftsbanken als Konkurrent wahrgenommen werde. Trotzdem sei es schwierig, die in Jahrzehnten gewachsenen Verbindungen mit den Konkurrenten zu Gunsten der R+V einfach zu kappen, weiß Förterer. „Es gibt aber eine positive Hinwendung zu uns.“

Der R+V-Chef betont ein ums andere Mal die große Bedeutung, die der Verbund für sein Unternehmen hat. Immerhin kommen 95 Prozent des Lebensversicherungsgeschäfts über die Bankschalter, bei der Schaden-und Unfallversicherung sind es erstaunliche 55 Prozent. Die 1600 Genossenschaftsbanken mit ihren 15 000 Zweigstellen haben die R+V zum drittgrößten Lebensversicherer und zum viertgrößten Schaden-und Unfallversicherer gemacht. Mehr als fünf Millionen Kunden zahlten im Jahr 2001 insgesamt 6,3 Mrd. Euro an Beiträgen, ein Plus von 6,4 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg von 64 Mio. Euro in 2000 auf 69 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Für 2002 erwartet Förterer ein ähnliches Ergebnis, die Prämien sollen um 3,5 Prozent steigen.

Jetzt soll der Verkauf über die Banken weiter aufgepeppt werden. Eine neue, auf Internet-Technik basierende Oberfläche für Policen wurde entwickelt, die in die Systeme der Banken integriert werden kann.

Pläne der DZ Bank, möglicherweise Töchter an die Börse zu bringen, stellten nie die Kontrolle des genossenschaftlichen Sektors über die Unternehmen in Frage, sagte Förterer. Bei der R+V könne man sich die Ausgabe stimmrechtsloser Vorzugsaktien vorstellen, das erlaube den Zugang zum Kapitalmarkt. Auch die Übertragung von Anteilen an die einzelnen Geno-Banken sei möglich, eventuell gebündelt mit Anteilen an der Bausparkasse Schwäbisch-Hall und der DG Hyp.

Die Gruppe sei angesichts des schwierigen Umfelds zufrieden mit 2001, sagte Förterer. In der Schaden-und Unfallversicherung legte die R+V um 9,6 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro zu, ohne die Einbeziehung der mehrheitlich übernommenen Kravag Allgemeine waren es 4,7 Prozent.

Für den neuesten Lebensmittelskandal, bei dem mit Nitrofen verseuchtes Tierfutter in den Handel gelangte, hat die Gruppe als führender Versicherer des betroffenen Betriebes GS Agri „weniger als 10 Mio. Euro“ zurückgestellt, das entspreche der versicherten Summe der Police, sagte Vorstand Bernhard Meyer. Zum möglichen Gesamtschaden aus den Produkthaftpflichtpolicen für Futter-und Lebensmittelhersteller wollte er nichts sagen.

Von der Riester-Rente ist die R+V bisher enttäuscht. Nur 40 000 Policen hat die Gruppe verkauft. „Vor allem über die Banken ist der Verkauf von Riester eine sehr schwierige Sache“, weiß Förterer. Trotzdem sollen es bis Ende des Jahres 200 000 Policen sein, davon weniger als die Hälfte aus der betrieblichen Altersversorgung. Allerdings sieht auch die R+V langfristig hier besondere Wachstumschancen. Der eigene Pensionsfonds wurde gerade zugelassen, die Pensionskasse steht ebenso wie die Rückdeckung für Unterstützungskassen. Für die Beratung gründeten R+V und die Fondsgesellschaft Union, die ebenfalls zum Genossenschaftssektor gehört, gemeinsam die Beratungsgesellschaft Compertis.

Zitat:

„Was der R+V nutzt, nutzt auch direkt der DZ Bank“ – R+V-Chef Förterer

Quelle: Financial Times Deutschland


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