Wintershall ist scharf auf Preussag-Tochter

Von Katrin Berkenkopf, Moskau Die Kasseler BASF-Tochter Wintershall hat Interesse an der Energiesparte des Preussag-Konzerns bekundet. „Als deutsches Unternehmen müssten wir da einfach mitbieten“, sagte Vorstandsvorsitzender Reinier Zwitserloot in Moskau. „Da gäbe es prima Synergieeffekte.“ Es wird erwartet, dass Preussag in nächster Zeit die Trennung von der Tochter Preussag Energie bekannt gibt.

Wie Wintershall ist Preussag Energie in der Gas-und Ölförderung sowohl in Deutschland wie auch im Ausland aktiv. Im vergangenen Jahr hatte die Sparte einen Umsatz von 920 Mio. Euro, Wintershall kam auf 4,9 Mrd. Euro.

Wintershall will seine Produktion bis 2010 um 50 Prozent erhöhen. Derzeit fördert das Unternehmen rund acht Millionen Tonnen Öl und fünf Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Der Investitionsplan für die nächsten fünf Jahre sieht jährliche Ausgaben von 300 Mio. bis 500 Mio. Euro vor. „In unserem Geschäft gibt es derzeit mehr Geld als Gelegenheiten“, so Zwitserloot.

Gemeinsam mit dem russischen Produzenten Gasprom, mit dem Wintershall in Deutschland die Tochter Wingas besitzt, wollen die Kasseler jetzt auch in die Gasförderung in Sibirien einsteigen. Im Achimov-Feld, so hoffen sie, könnten ab 2008 pro Jahr rund acht bis neun Milliarden Kubikmeter gefördert werden. Das entspricht einem Zehntel des deutschen Verbrauchs. Erst 2005 entscheidet sich, ob das Projekt verwirklicht wird. Die Gesamtkosten würden rund 800 Mio. $ betragen. „Wir sind bereit, davon die Hälfte zu tragen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Bislang hatte sich Wintershall nur in der Ölförderung in Russland versucht. Das Projekt war allerdings an technischen Schwierigkeiten gescheitert.

Auch die Erschließung des Achimov-Feldes ist technisch sehr anspruchsvoll, da es in Tiefen bis zu 4000 Metern liegt. „Da bringen wir aus Deutschland sehr viel Erfahrung mit“, sagte Zwitserloot. Einen Seitenhieb auf den mächtigen Konkurrenten Ruhrgas, der ebenfalls in die lukrative Gasförderung einsteigen will, konnte er sich dabei nicht verkneifen. „Ruhrgas kann nur Geld auf den Tisch legen, da können die Russen auch zu einer Bank gehen.“

Generell hat Zwitserloot gegen die geplante Übernahme von Ruhrgas durch Eon nichts einzuwenden. „Wichtig ist, dass ein freier Wettbewerb zwischen den Vorlieferanten der Stadtwerke erhalten bleibt.“ Damit zielt er vor allem auf die zahlreichen Stadtwerke-Beteiligungen von Eon und Ruhrgas ab. Wintershall lehnt den Kauf solcher Beteiligungen – wohl auch aus finanziellen Gründen – ab. Daher ist Wintershall auch an der Eon-Tochter Thüga, die Stadtwerke-Beteiligungen hält, nicht interessiert.

Mit Blick auf eine mögliche Ministererlaubnis für den Zusammenschluss von Eon und Ruhrgas sieht Zwitserloot den Verkauf der Eon-Ruhrgas-Beteiligung am Leipziger Gasimporteur VNG nicht als entscheidend an. „Das kann nicht die Auflage sein, die alles zurechtrückt. Ich habe den Eindruck, die Aktionäre lassen die VNG auch so ihr Geschäft machen.“

Für die Verbändevereinbarung Gas rechnet Wingas-Chef Burkhard Genge mit Rückenwind aus der Politik. „Dennoch stehen wir damit weiter auf dem Prüfstand.“ Eine Verrechtlichung der VV Gas durch das neue Energiewirtschaftsgesetz berge zwar auch einige Gefahren, wie etwa die mögliche Erschwernis von Beanstandungen durch das Kartellamt. „Doch sie ist nötig, damit sich alle daran gebunden fühlen.“ Der Verband industrieller Kraftwerksbetreiber, VIK, hatte in der vergangenen Woche beklagt, dass viele Stadtwerke noch immer nicht die Vereinbarungen aus der ersten Verbändevereinbarung vom Juli 2000 in ihren Gemeinden umgesetzt hätten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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