Versicherer AMB Generali will zukaufen

Von Herbert Fromme und Daniel Bögler, Aachen Deutschlands drittgrößte Versicherungsgruppe hat ehrgeizige Expansionspläne. Die zur italienischen Generali gehörende AMB Generali „muss noch wachsen und auch durch Zukäufe wachsen“, sagte der neue Vorstandschef Walter Thießen im Interview mit der Financial Times Deutschland.

Namen von potenziellen Übernahmekandidaten will er nicht nennen – Gespräche gebe es aber schon. „Dabei geht es nicht um Notverkäufe von Unternehmen, die möglicherweise Schwierigkeiten wegen der gegenwärtigen Lage an den Kapitalmärkten haben“, sagte Thießen. Für solche Fälle sei die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vorbereitete Auffanglösung des Marktes das richtige.

Auch die Lebensversicherer der AMB spüren die Folgen der negativen Kapitalmarktentwicklung, sind aber „kerngesund“, sagte Thießen. Die Aktienquote betrage jetzt rund zehn Prozent, nach 13 Prozent am Jahresanfang. Die vom Gesetzgeber im vergangenen Jahr eingeräumten Möglichkeiten, Abschreibungsbedarf auf Aktien hinauszuschieben, hat die Gruppe nicht genutzt und deshalb in dieser Hinsicht keinen Druck.

Die Lebensversicherer der AMB-Gruppe haben ihren Kunden für 2002 eine Überschussbeteiligung zwischen 6,0 und 6,75 Prozent zugesagt. Für 2003 erwartet Thießen eine Absenkung um 0,5 bis 1 Prozentpunkt.

Die AMB hat mit ihren 11,2 Mrd. Euro Einnahmen einen Marktanteil von 8,1 Prozent – und das sollte deutlich mehr werden, glaubt Thießen. Der frühere EDV-Vorstand der Gruppe übernahm im Februar den Chefposten vom erkrankten Hans Jäger.

Thießen leitete in den letzten Jahren erfolgreich die Integration der Gruppe, bei der die 1998 von der Generali gekaufte Aachener und Münchener (AM) mit den deutschen Töchtern der Generali verbunden wurde. Dabei mussten auch Problemfälle bereinigt werden – zum Beispiel das verlustbringende Geschäft bei der Generali Lloyd in München, die jetzt mit der ebenfalls in München ansässigen AM-Gesellschaft Thuringia fusioniert. „Die Fusion hat 100 Mio. Euro gekostet und wird uns in zwei Jahren jährlich einen positiven Effekt von 56 Mio. Euro bringen“, sagt Thießen. In den letzten Jahren habe die AMB Generali das Fusionieren gelernt. Auch das sei ein wichtiger Faktor bei den Übernahmeplänen.

Die Gruppe arbeitet jetzt mit den vier Kernmarken Aachener und Münchener, Volksfürsorge, Thuringia Generali und Cosmos. Dazu kommen die Spezialversicherer, vor allem die Central Kranken und die Advocard Rechtsschutz, sowie die Bausparkasse Badenia.

Die Cosmos-Gesellschaften verkaufen direkt, die anderen mit Außendiensten und über Vertriebspartner. Dort sind vor allem die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) unter Reinfried Pohl, an der die AMB Generali knapp unter 50 Prozent hält, und die Commerzbank wichtig. Bei der Produktentwicklung verfolgt die AMB ein Baukastenprinzip: Für jede Sparte stehen Produkte mit Zusätzen bereit, die Gruppenmitglieder beliebig kombinieren können, die aber einheitlich verwaltet werden. Die Kostensenkung scheint zu funktionieren. Im Schaden-und Unfallbereich liegt die Gruppe, die früher mehr als 35 Prozent der Beiträge für Vertriebs-und Verwaltungskosten aufbringen musste, jetzt bei 30,3 Prozent, nur zwei Punkte über der Allianz.

Die AMB arbeitet konsequent nur im Bereich Privatkunden und kleine Gewerbetreibende. Das verlustbringende Industriegeschäft hat sie weitgehend aufgegeben. Viel Lob hat der AMB-Chef für die 30 000 Vertreter der DVAG, die konzernweit 38 Prozent und bei der Aachen Münchener Leben sogar 78 Prozent des Neugeschäfts bringen. „Pohl ist schlicht gut“, sagte Thießen. Die Stornoquote – der Anteil der gekündigten Verträge am Gesamtgeschäft – sei niedriger als bei anderen Vertriebsformen, die DVAG habe einen „unwahrscheinlichen Riecher für das, was im Markt geht und nicht geht“. Die Riester-Rente zum Beispiel „geht“ – bisher hat die Gruppe 465 000 Verträge verkauft, 330 000 davon über die DVAG.

Etwas verhaltener klingt Thießens Optimismus, wenn er über den Partner Commerzbank spricht, an der die Generali 9,9 Prozent hält und mit der sie seit Mai 2001 kooperiert. Erst vier Prozent des Konzern-Lebensgeschäfts kommen von der Bank, die inzwischen exklusiv mit der Volksfürsorge kooperiert. Hoffnungen setzt Thießen vor allem auf den mobilen Außendienst der Bank.

Zitat:

„Wir haben gelernt, wie man Unternehmen integriert“ – Walter Thießen

Quelle: Financial Times Deutschland


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