Versicherer Hanse Merkur muss wachsen

Gesellschaft zahlt viel für Marktanteilserhalt · Überschussbeteiligung wird auf fünf Prozent gesenkt

Von Herbert Fromme, Hamburg In einer unangenehmen Zwickmühle befindet sich die Hanse Merkur Versicherungsgruppe. Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit muss mit Macht wachsen, wenn er seinen Marktanteil auch nur halten will. Aber die schwachen Kapitalmärkte zwingen ihn dazu, die Überschussbeteiligung auf das Sparkapital in der Lebensversicherung weiter zurückzunehmen. Sie wird 2003 wahrscheinlich nur um die fünf Prozent betragen, nach 5,5 Prozent für 2002. Diese Überschussbeteiligung ist aber der Kernfaktor im Wettbewerb.

In der Krankenversicherung verlor die Hanse Merkur jahrelang Marktanteile. Erst 2001 konnte sie wieder einen kleinen Zuwachs von 817 Kunden mit Vollversicherungsschutz erzielen und kommt auf 54 712. Aber das war teuer: Rund 13,2 Prozent der Beiträge (von 311 Mio. Euro, plus 3,4 Prozent) gab das Unternehmen für Provisionen und andere Abschlusskosten aus, deutlich über den 9,5 Prozent des Marktes. In der Lebensversicherung laufen viele Policen ab, es fallen Prämienzahler weg. Die Beitragseinnahmen gingen um 4,4 Prozent auf 104 Mio. Euro zurück. Damit es nicht noch mehr wurde, musste die Hanse Merkur Leben viel Geld für den Erwerb von Neugeschäft ausgeben. Die Abschlusskostenquote betrug 7,5 Prozent, in der Branche nur 5,5 Prozent.

Da passt es nicht ins Bild, wenn die Kapitalerträge sich nicht so entwickeln wie erhofft. Der in den Ruhestand tretende Chef Gerd-Winand Imeyer vermochte ebenso wenig wie Nachfolger Fritz Horst Melsheimer ein klares Bild von der Reservekraft zu zeichnen. Die stillen Reserven auf Aktien betrugen Mitte 2002 rund 1,5 Prozent der gesamten Kapitalanlagen, hieß es. Dazu kämen noch zwei Prozentpunkte Reserven auf Namensanleihen. Nicht eingerechnet dabei haben die Vorstände allerdings die Tatsache, dass die Gruppe zum 30. Juni „stille Lasten“ von 81 Mio. Euro mitschleppte. Bei vielen Aktien ist der Marktwert niedriger als der Buchwert, es handelt sich um künftigen Abschreibungsbedarf.

Trotzdem sei man ausgezeichnet reserviert, glaubt Imeyer: „Wir haben Solidität und Sicherheit weiter verstärkt“ – die Transparenz jedenfalls nicht.

Zitat:

„Wir haben Solidität und Sicherheit weiter verstärkt“ – Gerd-Winand Imeyer.

Quelle: Financial Times Deutschland


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