Allianz plant derzeit keine Kürzung der Gewinnbeteiligung

Von Herbert Fromme, Köln Die Allianz Leben plant derzeit keine Senkung der Gewinnbeteiligung, die schon heute mit 6,8 Prozent auf das zu verzinsende Kapital deutlich über dem Branchenschnitt von rund sechs Prozent liegt. „Das kann sich bei schlechter Verfassung der Kapitalmärkte ändern“, sagte Vorstandschef Gerhard Rupprecht in einem Interview mit der Zeitschrift „Capital“. Ähnlich hatte sich Konzernchef Henning Schulte-Noelle vor zwei Wochen geäußert. Der Marktführer stellt sich damit erneut klar gegen den Kurs der Branchenmehrheit. Erst am Sonntag hatte Bernd Michaels, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, eine Absenkung um einen Prozentpunkt angekündigt. „In diesem Jahr wurde die Überschussbeteiligung bereits um rund ein Prozent gekürzt und liegt jetzt bei etwa sechs Prozent. Und auch in 2003 kann es noch um einen Prozentpunkt weiter nach unten gehen“, sagte er in „Bild am Sonntag“.

Die Höhe der Gewinnbeteiligung ist das entscheidende Argument im heftigen Konkurrenzkampf unter den Lebensversicherern. Deshalb halten viele Gesellschaften diesen Satz durch die Auflösung von stillen Reserven und Rückstellungen künstlich hoch. Die Allianz will offenbar die gegenwärtige Krise der Branche nutzen, um ihren seit Jahren stagnierenden Marktanteil auszubauen.

Rupprecht erwartet, dass einige Versicherer die Gewinnbeteiligung sogar bis auf die Garantieleistung absenken müssen. Bei Versicherungen, die nach dem 1. Juli 2000 abgeschlossen wurden, sind das 3,25 Prozent. Davor galt ein Garantiezins von vier Prozent. Er ist bindend für die gesamte Laufzeit der Police.

Auch am Marktführer geht die Krise des Kapitalmarktes nicht spurlos vorbei. „Bei einem Dax-Stand von 3200 Punkten schrumpfen die Allianz-Bewertungsreserven auf null“, sagte Rupprecht. Zur Jahresmitte, als der Dax bei 4400 Punkten notierte, lagen die Reserven der Allianz bei acht Prozent, zum Jahresanfang 2002 bei 11,5 Prozent.

Bewertungsreserven zeigen den Unterschied zwischen dem Marktwert von Wertpapieren und dem Buchwert. Viele Lebensversicherer haben in den letzten Jahren hohe Gewinnbeteiligungen nur durch Aktienverkäufe und entsprechende Realisierungen von Bewertungsreserven erreichen können, die laufenden Erträge aus Zinsen und Dividenden waren viel zu niedrig.

Rupprecht nahm auch zur Frage einer privaten Zwangsrente Stellung. Man müsse 2003 abwarten. „Dann müsste die Hälfte schon mitmachen, damit die Riester-Rente freiwillig bleiben kann.“

Zitat:

„Beim Dax-Stand 3200 schrumpfen unsere Bewertungsreserven auf null“ – Gerhard Rupprecht.

Quelle: Financial Times Deutschland


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