Gerling mit Millionenschaden aus britischer Fußballdeckung

Von Herbert Fromme, Köln Die Gerling Konzern Allgemeine Versicherung (GKA) hat einen Millionenschaden aus der Versicherung britischer Fußballfinanzdeals zu verkraften, nachdem die britische Fußball-Liga einen Prozess um Fernsehgelder verloren hat. Das bestätigte ein Gerling-Sprecher.

Allerdings wies er die in britischen Zeitungen geäußerte Vermutung zurück, der Schaden könne bis zu 100 Mio. £ (160 Mio. Euro) betragen. „Dann müsste der gesamte britische Spitzenfußball Pleite gehen“, sagte er. Tatsächlich erwarte man einen Schaden von unter 10 Mio. £. „Wir haben Risiken bei insgesamt 14 Vereinen versichert, davon zwei auf dem europäischen Festland.“ Die Prämieneinnahmen belaufen sich auf 10 Mio. £ jährlich. Bisher sei das Geschäft profitabel gewesen, Neugeschäft werde aber nicht mehr gezeichnet.

Die betroffenen Clubs haben das Recht, einen bestimmten Spieler zu nutzen, gegen eine Einmalzahlung an eine Bank oder ein anderes Finanzhaus abgetreten. Nach diesem „Verkauf“ leasen sie den Spieler zurück – ein klassisches Modell von „Sale-and-Lease-Back“, mit dem etwa Unternehmen durch Übertragung von Gebäuden ihre Bilanz aufpolieren. Auch Spielertransfers werden so vorfinanziert. Der abgebende Verein erhält die Transfersumme auf einmal, der übernehmende zahlt Raten an die Bank.

Nach Angaben der britischen Fachzeitung „Insurance Day“ ist die Leasinggesellschaft European Football Holdings in Guernsey Marktführer. Die Londoner Niederlassung der GKA versichert das Ausfallrisiko: Ist ein Verein zahlungsunfähig, muss Gerling für den Schaden aus nicht geleisteten Leasingzahlungen aufkommen. Das kann teuer werden: Allein beim finanziell angeschlagenen Erstligaverein Bradford City beläuft sich der Schaden auf 7,3 Mio. £, nach Abzug einer in einem Vergleich vereinbarten Summe, die der fast insolvente Club zahlt, noch 5,6 Mio. £.

Weitere Schäden sind wahrscheinlich: Der Kollaps des britischen Bezahlfernsehsenders ITV Digital führt zum Ausfall von 315 Mio. £ Fernseheinnahmen über drei Jahre für die Topvereine. Eine Klage des Fußballverbandes gegen die ITV-Aktionäre Granada und Carlton auf Zahlung der Summen wurde in der vergangenen Woche abgewiesen.

Zitat:

„Wir haben Risiken bei insgesamt 14 Vereinen versichert“ – Gerling-Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


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