MLP sitzt in der Spekulationsfalle

Gerüchte um eine Übernahme des Finanzvertriebs reißen nicht ab “ Allianz und Axa als Interessenten genannt

Von Herbert Fromme, Köln, und Rolf Lebert, Frankfurt Die Spekulation hat MLP fest im Griff. Davon zeugen die heftigen Kursschwankungen, denen die Aktie des Heidelberger Finanzvertriebs auch am Montag ausgesetzt war. Hatte die Aktie bereits in der vergangenen Woche in nur zwei Tagen um mehr als 40 Prozent zugelegt, so eröffnete sie gestern mit einem plus von sieben Prozent und setzte sich damit an die Spitze des insgesamt schwächeren Dax-Index. Erst am Nachmittag setzte eine Trendwende ein. Die Aktie kippte auf Grund von Gewinnmitnahmen ins Minus. Zum Handelsschluss lag sie jedoch mit 16,68Euroim Plus.

Grund für die heftigen Kursausschläge sind anhaltende Spekulationen über eine mögliche Übernahme des Unternehmens, die sich seit vergangener Woche hartnäckig im Markt halten. Das ist bei einem Kurs, der kurzzeitig sogar bei 8 Euro lag, kein Wunder. Die vollmundigen Treueschwüren von Konzerngründer Manfred Lautenschläger und Vorstandschef Bernhard Termühlen, sie würden ihre Anteile von zusammen 48 Prozent nicht verkaufen, sollten man nach Ansicht von Analysten nicht für bare Münze nehmen. Gerade Lautenschläger gilt als Realist, der weiß, wann es Sinn macht, einen Partner an Bord zu nehmen.

Dass eine solche Beteiligung vernünftig sein kann, beweist der Branche gerade die Vertriebsorganisation Deutsche Vermögensberatung DVAG. Sie gehört mehrheitlich Reinfried Pohl, die Versicherungsgruppe AMB Generali ist mit 50 Prozent minus einer Aktie beteiligt. Die AMB-Gesellschaften weisen die höchsten Wachstumsraten unter den großen deutschen Versicherungen auf. Der Löwenanteil der Vertriebsleistung wird von der DVAG erbracht, die auf Grund der gewählten Eigentümerstruktur ansonsten völlige freie Hand bei der Auswahl ihrer anderen Produktlieferanten hat.

So spürt die Allianz schmerzhaft, dass die DVAG den Fondslieferanten gewechselt hat und seit Februar dieses Jahres mit dem Marktführer DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, kooperiert statt mit dem Deutschen Investment-Trust (Dit) der Dresdner Bank, mit dem zuvor eine langjährige Vertriebspartnerschaft bestanden hatte. Seit Pohls über 14 000 Finanzberater keine Dit-Fonds mehr verkaufen, bricht das Neugeschäft des mittlerweile zu Allianz Dresdner Asset Management gehörenden Dit gehörig ein.

Kein Wunder, dass große Versicherer versuchen, eigene Vertriebe mit ähnlichen Strukturen zu schaffen, wie sie DVAG oder auch MLP aufweisen. Immerhin gehört MLP nach DVAG und AWD/Tecis mit 2730 Beratern und 435 000 Kunden zu den größten Finanzvertrieben in Deutschland.

Zudem gilt ihre vorwiegend aus Akademikern bestehende Klientel in der gesamten Finanzbranche als äußerst attraktiv. Nicht ohne Grund haben fast alle Finanzdienstleister für die Betreuung des „besser verdienenden“ Teils ihrer Privatkundschaft eigene Unternehmensbereiche aufgebaut oder sind dabei das zu tun. Die Allianz baut – bisher mit bescheidenem Erfolg – ihre „Financial Planners“ auf, von denen es eines Tages sogar 1700 geben soll. Bisher hat die Allianz rund 400 Berater gefunden.

Die Axa hat mit Campus eine direkte Konkurrenzorganisation zu MLP gestartet, die bisher aber keinen tief gehenden Eindruck im Markt hinterließ. Die 75 Berater wollen 2002 einen Umsatz von 60 Mio. Euro Neugeschäft erzielen. Die Wachstumsschwäche der Axa ist notorisch. deswegen wäre ein zusätzlicher Vertriebsweg hoch willkommen. Das sind die Gründe, weshalb sowohl der Allianz als auch der Axa ein Interesse an MLP nachgesagt wird.

Die Frage ist freilich bei der Axa, ob sie sich das in der gegenwärtigen Marktlage finanziell leisten kann, bei der Allianz, ob sie damit nicht – nach der Übernahme der Dresdner Bank – ihren Vertretern endgültig zuviel zumutet. Sprecher beider Versicherer wollten zu solchen Überlegungen nicht Stellung nehmen. „Marktgerüchte kommentieren wir nicht“, hieß es gleich lautend in Köln und München.

Auch MLP wollte sich nicht dazu äußern. Für das seit Monaten in einer Vertrauenskrise steckende Unternehmen wäre das Zusammengehen mit einem starken Partner nach Auffassung von Analysten nicht die schlechteste Lösung. Das Unternehmen, das die Anleger Jahr für Jahr mit zweistelligen Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn verwöhnte, weist im ersten Halbjahr erstmals einen stagnierenden Gewinn auf und muss seine für 2002 gesteckten Gewinnziele nach unten korrigieren.

Bislang schien es immer so, als könnten schwache Märkte dem Finanzvertrieb nichts anhaben. Termühlen stellte die Lage noch im Juni so dar, als garantiere das Geschäftsmodell der MLP für alle Ewigkeiten zweistellige Wachstumsraten.

Das erweist sich jetzt als Illusion. Das Geschäftsmodell der MLP hat Risse bekommen. Die Verdächtigungen, unsaubere Bilanzen zu erstellen, setzten dem Unternehmen schwer zu und führten nach dem Kurssturz fast zu seinem Ausscheiden aus dem Dax. „Zieht man das ganze Umfeld in Betracht, wäre eine Partnerschaft für MLP sicher nicht das Schlechteste“, sagte ein Analyst.

Zitat:

„Eine Partnerschaft wäre für MLP nicht das Schlechteste“ – Ein Analyst

Bild(er):

MLP-Chef Bernhard Termühlen will seine Beteiligungen angeblich nicht verkaufen – Bernd Kammerer.

Quelle: Financial Times Deutschland


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