Employers Re dampft Kundenstamm ein

Von Herbert Fromme, Monte Carlo Mitten in einem radikalen Strategiewechsel befindet sich die Employers Reinsurance Corporation (ERC). Sie ist weltweit die Nummer vier unter den Rückversicherern nach Münchener Rück, Swiss Re und Berkshire Hathaway/GeneralCologne Re. „Früher haben wir versucht, unser Risiko über Geschäftsbeziehungen mit möglichst vielen Kunden zu streuen“, erklärte ERC-Spitzenmanager Richard Smith das neue Vorgehen der Gruppe im Interview mit der FTD. „Heute suchen wir engere Beziehungen zu weniger Kunden, bei denen wir dann der wichtigste Rückversicherer sind.“

Smith ist seit Anfang des Jahres bei ERC – einer Tochter des Mischkonzerns General Electric – für das weltweite Schaden-und Unfall-Rückversicherungsgeschäft zuständig. Vorher bekleidete er die selbe Rolle in den USA. Smith hat eine typische GE-Karriere hinter sich: Seine Meriten hat er sich nicht in der Rückversicherung, sondern im Kfz-Flottenmanagement des US-Konzerns verdient.

In Europa findet die neue Strategie nicht überall Anklang. „Manchmal ist man nicht sicher, dass sie überhaupt noch Rückversicherungsgeschäft betreiben wollen“, sagte ein frustrierter Kunde auf der Rückversicherungskonferenz in Monte Carlo. Zur Verunsicherung tragen auch hartnäckige Gerüchte bei, nach denen GE die Rückversicherung entweder verkaufen oder an die Börse bringen will. Smith will sich dazu nicht äußern, die GE-Zentrale hat die Berichte bisher nicht dementiert.

Ein Eigentümerwechsel wäre nicht die erste weitreichende Änderung für die leidgeprüfte ERC-Kundschaft in Europa. Bis 1995 arbeitete in München die mittelgroße Frankona Rück, bekannt für ihr erfolgreiches Luftfahrtgeschäft und andere Spezialitäten. Gerling verkaufte die Gesellschaft damals an den US-Konzern General Electric. GE integrierte die Münchner Tochter in seine Employers Re und machte sie unter dem Namen ERC Frankona zur Europazentrale.

Aber nach und nach verlor der europäische Arm an Einfluss. Anfang 2001 wurde der US-Manager Robert Dellinger Chef in München. Er ersetzte Bernhard Fink, der zur Mutter GE ging. Im März 2002 legte ERC das Europa-und US-Geschäft zusammen. Dellinger ging, neuer Chef der weltweiten Schaden-und Unfallrückversicherung wurde Smith. Das Münchner Büro hat seine operativen Leitungsfunktionen verloren und ist jetzt nur noch reine Verwaltungsstelle. Das Gleiche gilt für die immer noch bestehende ERC Frankona Rückversicherungs-AG.

Smith gesteht zu, dass es viele Wechsel gab, die für manchen Kunden schwer nachzuvollziehen sind. „Aber fast die gesamte Organisation, immerhin 1000 Leute, arbeitet wie bisher. Unsere Kunden haben Kontakt zu denselben Experten wie vorher.“ Smith weist Behauptungen zurück, die Gruppe suche kein aktives Geschäft. Mit dem Strategiewechsel sei man insgesamt sehr erfolgreich, glaubt er. Von den Änderungen profitierten die langfristigen, guten Kunden am meisten, sagte Smith.

Rückversicherer übernehmen Teile von Risiken von Erstversicherern, die wiederum Endkunden versichern. Jahrelang war das eigentliche Rückversicherungsgeschäft für die meisten Marktteilnehmer defizitär – nur durch hohe Kapitalerträge konnte die Branche noch Gewinne erzielen. Mit der Schwäche der Kapitalmärkte hat sich das geändert. Das Rückversicherungsgeschäft selbst soll jetzt Geld bringen. „Schon vor dem 11. September waren diese Veränderungen da. Der Terrorüberfall war der Katalysator“, sagte Smith. „Seitdem müssen wir neu nachdenken über die Akkumulation von Risiken, über unsere Zeichnungspolitik und unsere Preise.“

ERC unterscheidet jetzt zwischen strategischen Kunden und Gelegenheitskunden („opportunistic customers“). „Gelegenheitskunden suchen eine einzelne Lösung und kaufen heute hier und morgen da. Wir machen das nur, wenn Preis und Risiko stimmen.“ Ihre strategischen Kunden dagegen begleite die Gruppe durch die Auf-und Abschwünge des Marktes, verspricht er. „Sie profitieren von unserer Expertise, unseren Schadenfachleuten, unseren Marktvergleichen.“ Rund zwei Drittel des Umsatzes kommen inzwischen aus diesem Kernbereich, der Rest vom Gelegenheitsmarkt.

Für den Strategiewechsel ist ERC auch bereit, Geschäft aufzugeben. Im Jahr 2001 verzeichnete die Gruppe Brutto-Prämieneinnahmen von 7,05 Mrd. $, ein Rückgang um elf Prozent. In 2002 wird der Umsatz stabil bleiben, „obwohl wir rund 35 bis 40 Prozent des Geschäfts aus dem Jahr 2001 für 2002 nicht erneuert haben“.

Für 2002 wird sich die neue Strategie auch schon unter dem Strich auszahlen, hofft Smith. „Wir erwarten ein ausgeglichenes Ergebnis.“ Vor allem das aus London gezeichnete Spezialgeschäft (Luftfahrt, Transport und verwandte Sparten) zeige gute Ergebnisse. 2001 hatte die Gruppe, vor allem wegen des 11. September, einen Verlust nach Steuern von 195 Mio. $ erlitten.

Zitat:

„Von nun an suchen wir eine engere Beziehung zu weniger Kunden“ – Richard Smith ERC-Manager

„Wir sind mit dem Strategiewechsel sehr erfolgreich“ – Richard Smith ERC-Manager

Quelle: Financial Times Deutschland

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