HVB hat gute Chancen auf Erwerb der Banca del Gottardo

Von Herbert Fromme, Köln, und Rolf Lebert, Frankfurt Die HypoVereinsbank (HVB), Deutschlands zweitgrößte Bank, hat gute Aussichten, die Banca del Gottardo in der Schweiz von der angeschlagenen Lebensversicherung Schweizerische Rentenanstalt/Swiss Life zu übernehmen.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland hat die HVB zurzeit im Bieterwettbewerb die Nase vorn. Außer ihr sind noch BNP Paribas aus Frankreich und die britische Barclays Bank interessiert. Außerdem sollen Schweizer Kantonalbanken einen genauen Blick auf die in Lugano ansässige Bank geworfen haben, die vor allem für italienische Kundschaft wegen der steuergünstigen Anlagen in der Schweiz attraktiv ist.

Die 1957 gegründete Banca del Gottardo hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1963 geriet sie unter die Kontrolle der skandalumwitterten italienischen Banco Ambrosiano, die eine unrühmliche Rolle in der Affäre um die Geheimloge P2 spielte. 1984 kaufte Sumitomo die Mehrheit, bis im Jahr 2000 die seit 1999 mehrheitlich beteiligte Swiss Life 100 Prozent erwarb.

Der mögliche HVB-Deal könnte Teil eines größeren Pakets sein, mit dem Swiss-Life-Chef Roland Chlapowski der Gruppe Luft verschaffen will. Die Bank hat gute Beziehungen zur Münchener Rück, die 25,7 Prozent an ihr hält. Die Münchener Rück wiederum hat über ihre Tochter Ergo ein Angebot für das deutsche Lebensversicherungsgeschäft der Swiss Life gemacht. Sie konkurriert dabei mit der AMB Generali sowie ausländischen Interessenten, unter ihnen die britische Aviva-Gruppe (früher CGNU).

Die Swiss Life hat die Deutsche Bank damit beauftragt, einen Käufer für ihr Deutschland-Geschäft zu finden, während Goldman Sachs nach einem Interessenten für die Gotthard-Bank sucht.

In Bankkreisen wird spekuliert, dass die Verbindung Münchener Rück/HVB auf der einen und Swiss Life auf der anderen Seite durch ein drittes Element weiter gestützt werden könnte. Der Schweizer Marktführer könnte über einen großen Lebens-Rückversicherungsvertrag mit der Münchener Rück seine finanzielle Kraft stärken. Langfristig wäre sogar ein noch engeres Anlehnen an die Münchener Rück/Ergo möglich, so die Spekulation.

Zitat:

„Ein Deal HVB-Gottardo könnte Teil eines Pakets sein“ – Ein Bankier.

Quelle: Financial Times Deutschland


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