Lederer kämpft gegen Babcock-Stigma

Von Michael Gassmann, Düsseldorf, und Herbert Fromme, Köln Nach seinem Rücktritt als Vorstandschef der Kieler Werftengruppe HDW wehrt sich Klaus Lederer gegen die Vorwürfe, er trage Schuld an der Babcock-Pleite. „Die Banken haben die Babcock Borsig AG verspielt“, heißt es in einer detaillierten Darstellung Lederers zu seiner Sicht der Vorgänge um die Insolvenz.

Lederer wird auch vorgehalten, er habe sich in Kenntnis der bevorstehenden Pleite auf den HDW-Chefposten abgesetzt. Der HDW-Aufsichtsrat begründete gestern Lederers Weggang bei HDW mit der anhaltenden Diskussion um seine Person. Der Manager selbst hatte zuvor seinen Rücktritt angeboten.

Gegen ihn laufen zivilrechtliche Verfahren in Deutschland und in den USA und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Untreue. Lederer bestreitet, dass der Verkauf von HDW an den US-Investor One Equity Partners (OEP) die Babcock-Pleite verursacht hat. „Babcock Borsig ist nicht wegen des HDW-Verkaufs pleite, sondern trotz dieses Deals, denn die Banken haben den Konzern letztlich fallen gelassen“, erklärt er. Der neue Babcock-Chef Horst Piepenburg hatte kürzlich ein weiteres 25-Prozent-Paket von HDW an OEP verkauft. Damit habe die gesamte Transaktion über 600 Mio. Euro eingespielt, so Lederer.

Der Verkauf stellte nach seiner Lesart die Liquidität von Babcock Borsig zunächst sogar sicher. OEP zahlte den Preis von 300 Mio. Euro für das erste 25-Prozent-Paket durch Übernahme der Schulden, die der Babcock-Konzern aus dem so genannten Cash-Clearing bei seiner eigenen Tochter hatte. Für die übrigen Verbindlichkeiten von 225 Mio. Euro übernahm OEP eine Bürgschaft. Der Preis sei „äußerst attraktiv“ gewesen. Babcock selbst habe drei Jahre zuvor für 50 Prozent von HDW nur 300 Mio. Euro gezahlt. Als Aufsichtsratsmitglied von Babcock Borsig hatte RWE-Finanzchef Klaus Sturany den Verkauf in einer Sitzung des Gremiums Mitte März begrüßt.

Dass es zur Pleite kam, lastet Lederer allein den Gläubigerbanken an. Ein „Liquiditätsloch“ sei im Mai/Juni bei Babcock Borsig üblich, da Großaufträge gegen Geschäftsjahresende am 30. September abgerechnet werden. „Babcock hätte, wie jedes Jahr, lediglich eine saisonal bedingte Zwischenfinanzierung gebraucht“, behauptet er.

Die Größenordnung habe bei 80 Mio. Euro bis maximal 120 Mio. Euro gelegen. Die in einem Gutachten von Roland Berger genannte Summe von 700 Mio. Euro wäre für eine „Luxussanierung“ ausreichend.

Entscheidend war am Ende das nicht mehr funktionierende Zusammenspiel von Landespolitik und Westdeutscher Landesbank, ergibt sich aus den Darlegungen: „Die WestLB hat wegen eigener Probleme ihr Engagement bei Babcock zurückgeschraubt.“ Die NRW-Landesbank hatte über Jahrzehnte als verlängerter Arm der Düsseldorfer Industriepolitik fungiert. Mit der Entmachtung des langjährigen Vorstandschefs Friedel Neuber und unter dem Druck der Anpassung durch die EU bewertet die Bank ihre Engagements jetzt kritischer. Auch für die Auffanggesellschaft der insolventen Babcock Borsig wehrt sie sich gegen eine Anhebung ihrer Quote. Noch restriktiver habe sich die Deutsche Bank verhalten, schreibt Lederer.

Für den künftigen HDW-Chef Helmut Burmester ist die geplante Neuordnung der deutschen Werftindustrie um HDW als Kern noch nicht unter Dach und Fach. ThyssenKrupp und Ferrostaal, die sich mit je 15 Prozent beteiligen sollen, stellen Bedingungen. Vor einem möglichen Einstieg verlangen beide Konzerne eine Due Diligence, erfuhr die FTD. Diese intensive Prüfung der Bücher müsse erfolgreich verlaufen. Zudem lehnen die Partner eine Firmenkonstruktion mit einer niederländischen Zwischenholding ebenso ab wie eine Beteiligung des Managements.

Ferrostaal und ThyssenKrupp haben Vorkaufsrechte auf die HDW-Anteile vereinbart. Für diese Vorkaufsrechte gilt die zweijährige Sperrfrist nicht, die OEP einen Weiterverkauf von Anteilen zunächst untersagt. Der geplante Einstieg des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman mit rund 20 Prozent ist indes abgeblasen. Zuvor waren Befürchtungen laut geworden, mit dem Übernahme von HDW durch OEP beginne ein Ausverkauf von Rüstungs-Know-how an die USA. Das HDW-Wissen gilt unter anderem wegen eines technologischen Vorsprungs bei konventionellen U-Booten als begehrt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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