Milliardenrisiken bei Rückversicherern

Von Herbert Fromme, Monte Carlo Einige Versicherungs-und Rückversicherungskonzerne werden in den nächsten Jahren hohe Verluste aus Finanzgeschäften aufdecken müssen. „Unter der Oberfläche kocht einiges, das bald hochkommt“, sagte Dirk Lohmann, Vorstandschef des Schweizer Rückversicherers Converium, in einem Interview mit der Financial Times Deutschland beim Rückversicherertreffen in Monte Carlo.

„Die so genannten neuen Risiken, die sie in den 90er Jahren gezeichnet haben, liegen mehreren Gesellschaften schwer im Magen“, sagte Lohmann. Das sind schlechte Nachrichten für die Branche. Sie ist zurzeit ohnehin arg gebeutelt durch Schäden aus dem World Trade Center und anderen Großereignissen, schlechten Anlageergebnissen sowie der Notwendigkeit, die Reserven deutlich zu verstärken. Nur die in den letzten Monaten durchgesetzten höheren Preise im Kerngeschäft geben Hoffnung.

Vor zehn Jahren hätten viele Gesellschaften wegen der schlechten Marktsituation und niedriger Preise in der Rückversicherung neue Geschäftsfelder gesucht. „Dabei haben Rückversicherer und einige Erstversicherer den Investmentbanken große Risiken abgenommen.“ In erster Linie handelte es sich um die Absicherung von Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) und von Darlehensgeschäften, die von den Investmentbankern arrangiert wurden. Namen betroffener Gesellschaften wollte Lohmann nicht nennen. „Aber da waren große Adressen beteiligt.“ Sein eigenes Unternehmen, der erst im Dezember 2001 von der Zurich Financial an die Börse gebrachte zehntgrößte Rückversicherer der Welt, sei nicht betroffen. In der Branche werden Axa, Münchener Rück, Swiss Re, General Cologne Re, Scor und Hannover Rück als Beispiele für aktive Marktteilnehmer bei den „neuen Risiken“ genannt.

Rückversicherer hätten vor allem Kreditderivate und Sicherungen gegen Kreditausfälle (Credit Enhancement) übernommen. „Dabei sind die Gesellschaften Risiken eingegangen, die sie nicht vollständig verstanden haben“, sagte Lohmann. „Die Rückversicherer sehen sich gern als die Investmentbanker der Versicherungsbranche. Aber leider wissen wir sehr viel weniger von den Kapitalmärkten als die direkt Beteiligten.“

Die Pleitewelle in den USA und die extrem hohe Volatilität, die sich bei den Firmenanleihen in den letzten Monaten gezeigt hat, wirken sich jetzt negativ aus. Die ersten Unternehmen hätten schon Rückstellungen gebildet. „Da sind insgesamt viele Milliarden Dollar im Feuer. Wenn auch nur wenige Prozent davon schief gehen, macht sich das in den Ergebnissen der betreffenden Gesellschaften bemerkbar“, sagte er.

Für die Branche, die insgesamt hohen Kapitalbedarf habe, werde das negative Konsequenzen bei den Anlegern haben. „Die Investoren werden enttäuscht sein, wenn das hochkommt. Das war schließlich nicht erwartet worden“, sagte Lohmann.

Zitat:

„Unter der Oberfläche kocht einiges, das bald hochkommt“ – Dirk Lohmann.

Quelle: Financial Times Deutschland


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