MLP entlässt Auslandschef Dorian Simon

Von Herbert Fromme, Köln Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP hat sich am Freitag überraschend von einem Vorstandsmitglied getrennt. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass Dorian Simon, Vorstand bei der Maklergesellschaft MLP Finanzdienstleistung, entlassen wurde. Zu den Gründen schwieg er.

Aus dem Unternehmen war zu hören, dass der Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen seinem Auslandschef Simon allzu enge Kontakte zu den Gegnern des Unternehmens vorwarf. Dazu und zu Berichten über Reste von gelöschten kompromittierenden Dokumenten, die auf der Festplatte von Simons Notebook gefunden worden seien, wollte der Sprecher nichts sagen. Auch die Frage einer möglichen Strafanzeige ließ er unkommentiert. Der Konzern werde den Vorgang aufarbeiten und wohl Ende der Woche eine Stellungnahme abgeben, sagte er.

MLP muss sich seit Monaten gegen Angriffe des Anlegermagazins „Börse Online“ und von Kleinaktionären wehren, nach denen der Finanzdienstleister seine Bilanzen geschönt haben soll. Die Staatsanwaltschaft untersucht die Vorwürfe. Wegen dieser Auseinandersetzung und der allgemeinen Aktienkrise begann die Aktie eine steile Talfahrt. Erst in den letzten Wochen fing sie sich bei 13 bis 15 Euro, der Höchststand im Oktober 2000 lag bei 190 Euro. Am Freitag ging der im Dax gelistete Wert 3,7 Prozent fester bei 13,63 Euro aus dem Handel.

Der 31-jährige Simon war seit Anfang 2002 bei MLP Finanzdienstleistung, der Kerngesellschaft der Gruppe, als Vorstand für das gesamte Auslandsgeschäft zuständig. Er leitete unter anderem den Aufbau in Großbritannien. Simon kam 1996 zu MLP.

MLP-Vorstände haben während der letzten Wochen den Kursverlust der Aktie immer wieder mit gezielter Einflussnahme von außen zu erklären versucht, unter anderem mit der Rolle von Hedge Funds und von Insidern, die am Negativtrend der Aktie verdienen wollten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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