Rolf Gerling verlässt den Aufsichtsrat

Von Herbert Fromme, Köln Rolf Gerling zieht sich weiter aus seinem angeschlagenen Versicherungskonzern zurück. Gestern trat der Mehrheitsaktionär, der 65,5 Prozent hält, als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Holding Gerling Konzern Beteiligungs-AG (GKB) zurück. Er wird auch nicht als einfaches Mitglied in dem Gremium bleiben.

Zum Nachfolger wurde sein Vertrauter, der Bremer Rechtsanwalt Joachim Theye, gewählt. Theye ist seit 1978 im GKB-Aufsichtsrat und hat langjährige Erfahrung in wirtschaftlichen Krisensituationen, unter anderem als Aufsichtsrat bei Springer und Beauftragter von Leo Kirch.

Die Situation des Gerling-Konzerns und die dramatische Entwicklung der Versicherungsmärkte machten Änderungen auf allen Ebenen nötig, teilte Rolf Gerling der Belegschaft in einem Schreiben mit. Offenbar will er dem Gremium eine freiere Hand bei den schwierigen und für ihn schmerzhaften Verkaufsverhandlungen lassen.

Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurde gestern BMW-Vorstand Günter Lorenz. Sein Engagement unterstreicht das starke Interesse der deutschen Industrie am Fortbestand des Gerling-Konzerns, der Nummer zwei der Industrieversicherer. Die Industrie fürchtet ein Monopol der Allianz.

Die Gerling-Gruppe ist nach einem katastrophalen Jahr 2001 auf Drängen des Minderheitsaktionärs Deutsche Bank, der 34,5 Prozent hält, auf dem Markt. Der vorab geplante Verkauf des verlustträchtigen Rückversicherers Gerling Globale Rück stellt sich als äußerst schwierig heraus, ein fertig verhandelter Deal mit der französischen Scor scheiterte in der vergangenen Woche. Solange der Rückversicherer noch da ist, dürfte der Rest der Gruppe aber sehr schwer zu verkaufen sein.

Der Aufsichtsrat erledigte gestern auch eine weitere lang erwartete Personalie. Jochen Aymanns, 60, Chef des Bereichs Leben und des Firmen-und Privatkundengeschäfts, verlässt das Unternehmen. Sein Nachfolger wird Norbert Heinen, 47. Aymanns war mit Konzernchef Heinrich Focke in den letzten Monaten mehr als einmal heftig aneinander geraten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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