Scor bläst Übernahme von Gerling Rück ab

Von Herbert Fromme, Köln Der französische Rückversicherer Scor wird die angeschlagene Gerling Globale Rück (GGR) in Köln nicht übernehmen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland gelang es der Pariser Gesellschaft nicht, die für den Deal benötigten rund 750 Mio. Euro zu beschaffen. Eine Bankenfinanzierung scheiterte. Die Großaktionäre waren sich ebenfalls nicht einig. Der französische Versicherer Groupama ist mit 17,5 Prozent der wichtigste Aktionär, außerdem sind die Investmentgruppen Silchester International und Templeton sowie die Bank Société Générale mit bedeutenden Paketen beteiligt.

Scor hatte am 4. September bekannt gegeben, exklusive Verhandlungen mit der Gerling-Gruppe über Teile des Rückversicherungsgeschäfts zu führen. Seitdem brach der Aktienkurs der Scor um 36 Prozent auf 10,58 Euro ein. Auch Kunden waren unglücklich über die Expansionspläne des Pariser Managements.

Die beiden Aktionäre des Gerling-Konzerns, Rolf Gerling mit 65,5 Prozent und die Deutsche Bank mit 34,5 Prozent, haben den gesamten Konzern nach dem Ausbrechen seiner schweren Krise Anfang des Jahres zum Verkauf gestellt. Vorab versucht der Konzern, den verlustbringenden Rückversicherer zu verkaufen. Jetzt ist die gesamte Gruppe und besonders die Gerling Globale Rück in einer bedrohlichen Situation.

Der Rückversicherer wird kaum neue Verträge für das Jahr 2003 zeichnen können. Dieser Kuchen wird in den nächsten Wochen verteilt, vor allem bei dem Rückversicherungstreffen in der letzten Oktoberwoche. Kann der Konzern bis dahin keine überzeugende Perspektive für GGR vorlegen, steht die Zukunft des sechstgrößten Rückversicherers der Welt auf dem Spiel. Ein neuer Käufer wird sich kurzfristig nur schwer finden lassen, möglicherweise haben Konkurrenten Interesse an einzelnen gut laufenden Geschäftsfeldern. Das Unternehmen als Ganzes wird aber nur schwer zu erhalten sein.

Gerling und Scor waren sich in den wichtigsten Fragen einig. Scor wollte den größten Teil des Geschäfts übernehmen. Keine Lust hatte Scor-Chef Jacques Blondeau auf das Büro in Südafrika und den Londoner Markt, im notorisch riskanten Lloyd’s-Geschäft hat sich die Scor schon einmal die Finger verbrannt. Den Hauptverlustbringer – die USA-Aktivitäten – hat Gerling schon im August 2002 geschlossen, die bestehenden Verträge werden abgewickelt. Die Arbeitsplätze in Köln und den Auslandsbüros sollten erhalten bleiben. GGR beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.

Das Scheitern des Deals bringt die Gerling-Gruppe in neue Schwierigkeiten. Das Kölner Management unter dem seit Januar amtierenden Chef Heinrich Focke muss damit rechnen, dass noch in diesem Jahr weitere Kapitalmaßnahmen für den Gesamtkonzern nötig werden. Sie sollten durch die Millionen aus Paris vermieden werden.

Das wird die Unruhe bei der Deutschen Bank verstärken. Als Teil ihrer Gesamtstrategie – „raus aus Versicherungen“ – wollen die Frankfurter Banker offenbar den Konzern auf jeden Fall schnell verkaufen, auch wenn Preis und Bedingungen alles andere als befriedigend sind. „Zurzeit gibt es einfach keine Käufer für Versicherer“, sagte ein Manager. Rolf Gerling und ein Teil des Kölner Managements hatten gehofft, sie könnten mit Verweis auf das lukrative und hervorragend laufende Geschäft mit der betrieblichen Altersversorgung und den deutlich härteren Märkten in der Industrieversicherung Zeit gewinnen. Das Kalkül ist gescheitert.

Zitat:

„Zur Zeit gibt es einfach keine Käufer für Versicherer“ – Versicherungsmanager

Quelle: Financial Times Deutschland


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