US-Firmen sehen ersten Erfolg bei Asbestabwehr

Von Christopher Bowe, New York, und Herbert Fromme, Köln Eine US-Stiftung hat neue Richtlinien für die Auszahlung von Schadensersatz an Asbestopfer durchgesetzt, die zu einer erheblichen Reduzierung der Zahlungen an gering betroffene Anspruchsteller und zu härteren Diagnosekriterien führen. Ob die von einem New Yorker Gericht ausdrücklich gebilligten Richtlinien allerdings die Gesamtbelastung aus Asbestansprüchen reduzieren, ist noch unklar. Der Manville Personal Injury Trust erklärte, nur durch die Reduzierung bei weniger kranken Anspruchstellern könne man Opfern mit Krebs und Asbestose ausreichend helfen. Die Stiftung verwaltet Gelder aus der Konkursmasse des Baumaterialherstellers John’s Manville, der wegen der Asbestansprüche 1982 Konkurs anmeldete. Die Richtlinien werden wahrscheinlich zum Vorbild für ähnliche Verfahren in den USA werden.

Der Erfolg für die Unternehmen gibt auch Versicherern neue Hoffnung, die Asbestschäden eindämmen zu können. Erst am Freitag musste die Allianz-Gruppe die Rückstellungen für Asbest-und Umweltrisiken bei der US-Tochter Fireman’s Fund um 750 Mio. $ aufstocken.

Asbest wurde von 1945 bis in die 70er Jahre als feuerhemmendes Material verbaut. Asbeststaub führt zu Lungenkrebs und anderen Krankheiten mit Latenzzeiten bis zu 40 Jahren. Mehr als 80 Millionen Beschäftigte kamen mit Asbest in Berührung, Experten erwarten rund eine Million Anspruchsteller mit Forderungen wegen Gesundheitsschäden.

Rund 90 Prozent der Anspruchsteller haben keine Krebserkrankung. Versicherer und Unternehmen glauben, dass Schadensersatz oft missbräuchlich verlangt wird.

Der Gesamtschaden wird von der US-Rating-Agentur Fitch auf 200 bis 275 Mrd. $ geschätzt. Davon entfallen 55 bis 70 Mrd. $ auf US-Versicherer, 30 bis 62 Mrd. $ auf ausländische Versicherer und der Rest auf Hersteller, Anwender und den Handel. Mehr als 60 solcher Firmen sind als Folge von Asbestklagen bereits in Konkurs gegangen. Die Versicherer haben bisher 24 Mrd. $ aus Haftpflichtdeckungen gezahlt und müssen mit mindestens weiteren 25 Mrd. $ rechnen, erklärte Fitch vor der New Yorker Entscheidung. Bei Fireman’s Fund belaufen sich die Umwelt-und Asbestrückstellungen jetzt auf 1,51 Mrd. $. „Wir gehören jetzt zu den am höchsten reservierten Unternehmen in den USA“, sagte ein Sprecher.

Die Sanierungsbemühungen des Konzerns für die Verlust machende US-Tochter erleiden durch die Reservestärkung einen empfindlichen Rückschlag. Mit deutlichen Preiserhöhungen, der Trennung von unprofitablem Geschäft und Kostensenkungen – 1300 der 8400 Mitarbeiter mussten gehen – sollte die Gruppe in diesem Jahr wieder auf auf Gewinnkurs gebracht werden. Daraus wird jetzt nichts werden.

Die Allianz-Aktie verlor am Freitag 9,45 Prozent und endete mit 100,20 Euro knapp über der wichtigen Marke von 100 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Wert um 62 Prozent nachgegeben.

Zitat:

„Wir gehören jetzt zu den am höchsten reservierten Unternehmen“ – Allianz-Sprecher

Quelle: Financial Times Deutschland


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