Gothaer Rück will Schwäche von Rivalen ausnutzen

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die Gothaer Rückversicherung hofft, dass die Schwierigkeiten einiger Konkurrenten ihr zusätzliches Geschäft bringen werden. Vorstand Wilfried Müller verwies dabei auf die ungewisse Zukunft der Gerling Globale Rück und auf die Tatsache, dass die Victoria Rück ihr Geschäft Ende diesen Jahres einstellt und in der Muttergesellschaft Münchener Rück aufgeht. „Das wird uns Möglichkeiten liefern“, erwartet er.

Grundsätzlich will die Gothaer Rück ihr Geschäftsfeld langsam, aber dafür gewinnorientiert ausbauen. „Die Qualität hat für uns eine höhere Priorität als der Zuwachs“, sagte Müller. Neben der Gewinnung neuer Kunden setzt der Rückversicherer deshalb auf die ständige Überprüfung des Portfolios und die Trennung von nichtprofitablen Geschäftsverbindungen.

Die Gothaer Rück ist auf mittelständische Erstversicherer als Kunden spezialisiert, mit einem Schwerpunkt bei Versicherungsvereinen. An dem Unternehmen halten die Parion Finanzholding 70,21 Prozent, die General Cologne Re 27 Prozent und die schweizerische Mobiliar 2,79 Prozent. Der Rückversicherer zeichnet ausschließlich in Europa und konzentriert sich auf das Nicht-Leben-Geschäft.

Für 2003 erwartet Müller ein Wachstum der Prämieneinnahmen um „nicht über fünf Prozent“. In diesem Jahr wird es ein Plus von rund acht Prozent auf 340 Mio. Euro geben. Auf der Schadenseite schlägt besonders das Hochwasser negativ zu Buche. Es wird die Gothaer Rück netto mit 7,7 bis gut 10 Mio. Euro belasten. Deshalb werde man das Ziel einer Combined Ratio von 104 Prozent nicht erreichen, sagte Vorstand Wolfgang Bach. Die Combined Ratio bezeichnet das Verhältnis von Schäden plus Kosten zu den Prämieneinnahmen.

Angesichts der volatilen Märkte sei es für eine Gewinnprognose für 2002 noch zu früh, sagte Bach. Klar ist allerdings jetzt schon, dass es der Gothaer Rück nicht gelingen wird, bei der Nettorendite der Kapitalanlagen wie in den letzten vier Jahren einen Wert über acht Prozent zu erreichen. Nach heutigem Stand rechnet Bach mit rund 4,5 Prozent. Im vergangenen Jahr verbuchte die Gothaer Rück einen Gewinn nach Steuern von 0,1 Mio. Euro, verglichen mit 5,1 Mio. Euro im Jahr 2000.

Zitat:

„Das Hochwasser wird uns 7,7 bis 10 Mio. Euro kosten“ – Vorstand W. Bach.

Quelle: Financial Times Deutschland


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