Industrie muss hart um Versicherungsschutz ringen

Von Herbert Fromme, Köln In der härtesten Verhandlungsrunde seit Jahren stehen die Versicherungseinkäufer der Industrie. Schon in den Verträgen für das Jahr 2002 konnten die Versicherer weit reichende Preiserhöhungen durchsetzen. Die großen Anbieter halten das immer noch nicht für ausreichend und wollen für 2003 noch einmal draufsatteln – sehr zum Ärger der betroffenen Betriebe. Sie verweisen auf die vielen kleinen und mittleren Risiken, bei denen die Versicherer bisher kaum in großem Stil Preiserhöhungen durchgesetzt haben.

Ende September hat die Assekuranz der Großindustrie noch einmal deutlich gezeigt, wo ihrer Ansicht nach die Reise hingehen soll. Damals wurde bekannt, dass der ThyssenKrupp-Konzern für weniger Versicherungsschutz künftig deutlich mehr zahlen muss.

ThyssenKrupp verlängert seine Versicherungsverträge traditionell zum 1. Oktober und spielt deshalb eine Vorreiterrolle. Der diversifizierte Stahlkonzern zahlt für den Versicherungsschutz im Zeitraum Oktober 2002 bis September 2003 saftige 43 Mio. Euro. Im abgelaufenen Jahr waren nur 27 Mio. Euro fällig. Zwar sind das Bruttopreise – ein kleiner Teil fließt als Provision an den firmeneigenen Versicherungsmakler zurück. Die Gruppe muss dennoch eine heftige Preiserhöhung von knapp 60 Prozent verdauen.

Für die höheren Prämien erhält sie zudem eine deutlich reduzierte Deckung. Im Stahlbereich, der bei Versicherern als schadenträchtigster Unternehmensteil verschrien ist, zahlt der Konzern künftig bei jedem Feuer-oder Betriebsunterbrechungsschaden die ersten 30 Mio. Euro selbst. Bisher betrug der Selbstbehalt rund 5 Mio. Euro. In der Stahlsparte des Konzerns lag die Schadenquote im Durchschnitt der letzten fünf Jahre über 200 Prozent.

Trotz der verbesserten Bedingungen sind nicht alle Anbieter zufrieden. „70 Mio. Euro Prämie wären eher angemessen gewesen“, sagte ein Versicherer. Auch die Axa hält das Risiko für immer noch untertarifiert und hat sich zurückgezogen.

Neben der Allianz, die 17 Prozent trägt, sind der HDI und die Zurich Financial Services (ZFS) mit auch je 17 Prozent beteiligt. Gerling übernimmt zehn Prozent, allerdings nur bis zum Jahresende. Der Rest wurde in kleineren Anteilen von anderen Gesellschaften gezeichnet.

ThyssenKrupp versuchte, den Preiserhöhungen durch Deckungen aus dem Ausland zu entkommen – vergeblich. Makler Aon Jauch & Hübener konnte kein billigeres Angebot finden. Im Gegenteil, eine versicherungsmathematische Bewertung des Risikos ergab, dass die deutschen Versicherer sogar vergleichsweise preisgünstig anbieten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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