Malade Hannover Leben wechselt Führung aus

Von Herbert Fromme, Köln Die angeschlagene Hannoversche Lebensversicherung bekommt eine neue Spitze. Nach Informationen der Financial Times Deutschland wird Vorstandschef Eckart von Uckermann das Unternehmen verlassen. Als Nachfolger ist Anton Wittl im Gespräch. Er war bis Ende Juni Vorstandschef der Swiss Re Germany, der früheren Bayerischen Rück, und verließ das Unternehmen nach Unstimmigkeiten mit der Zentrale in Zürich. Weitere Änderungen auf Spitzenpositionen in Hannover sind sehr wahrscheinlich.

Die Hannoversche Leben wollte nicht Stellung nehmen. In Versicherungskreisen hieß es, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) habe Druck auf das Unternehmen ausgeübt, ihr Führungspersonal auszuwechseln und ein Sanierungsprogramm aufzulegen.

Die Nummer 20 im Markt arbeitet nur direkt, also ohne Vertreter und Makler. Jahrelang hatte sie Kunden höhere Überschussbeteiligungen als die Konkurrenz gutgeschrieben. Aus beiden Gründen war die Hannoversche Leben bei Verbraucherschützern beliebt. Aber der Versicherungsverein konnte kaum Rücklagen bilden. Weil die Zinsen auf festverzinsliche Anlagen fielen, versuchte Vorstandschef von Uckermann, mit verspäteten Aktien-und Finanzmarktspekulationen die Rendite hoch zu halten. Das ging schief: Die im letzten Jahr produzierten „stillen Lasten“ – die Differenz zwischen dem Buchwert und dem niedrigeren Marktwert von Wertpapieren – lagen bei 189 Mio. Euro, die zumindest teilweise in 2002 abgeschrieben werden müssen. Der Lebensversicherer ist finanziell deutlich angeschlagen.

Von Uckermann verteidigte seine Geschäftspolitik stets mit den verbraucherfreundlichen Ausschüttungen und dem negativen Marktumfeld. Er verhandelte erfolglos mit möglichen Partnern, darunter dem BHW und ausländischen Versicherern. Das Geschäft brach in Hannover schon 2001 ein: Die Prämieneinnahmen gingen von 951 Mio. Euro auf 880 Mio. Euro zurück. Die Zahl der verkauften Verträge verringerte sich von 66 174 auf 51 555, vor allem bei Risiko-und Berufsunfähigkeitspolicen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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