Rückversicherer verlangen mehr Transparenz

Von Herbert Fromme, Baden-Baden Es ist ausreichend Rückversicherungs-Kapazität vorhanden. Die zentralen Punkte in den Verhandlungen sind Preis und Transparenz. Das stellt sich beim jährlichen Rückversicherer-Treffen in Baden-Baden heraus.

Rückversicherer übernehmen einen Teil der Risiken von Erstversicherern. Jahrelang hatten die Rückversicherer auch defizitäres Geschäft akzeptiert, weil Kapitalerträge mehr als genug Ausgleich lieferten. Seit zwei Jahren steigen die Preise wieder, besonders drastisch seit dem 11. September 2001.

Die Preise steigen bei den jetzt für 2003 abgeschlossenen Verträgen weiter, sagte Frank Schaar, Vorstandsmitglied der Züricher Converium-Rückversicherungsgruppe. Schätzungen sprechen von 15 bis 20 Prozent Erhöhung bei Katastrophendeckungen, die im laufenden Jahr ohne großen Schaden blieben, und „deutlich mehr“ für schadenbelastete Verträge. Schaar wollte das nicht kommentieren. „Wir erhöhen nicht mit der Rasenmähermethode, sondern schauen auf die einzelnen Verträge.“

Neben dem Preis stände die Transparenz im Mittelpunkt der Diskussionen, sagte Schaar. „Heute will man als Rückversicherer genau wissen, was man da eigentlich alles abdeckt.“ Es sei immer noch erstaunlich, wie wenig manche Erstversicherer über die von ihnen gezeichneten Risiken wüssten. Als Beispiel nannte er die Flutschäden. Viele Versicherer seien nur schwer in der Lage zu sagen, welches Gesamtrisiko sie überhaupt in den Büchern hätten.

Das bisher von der Gerling Globale Rück gezeichnete Geschäft werde neue Deckungen finden, sagte Schaar. Allerdings seien die Ansprüche hoch. „Wenn wir die Chance haben, Brot-und-Butter-Geschäft zu nehmen, würden wir gerne wissen, was unsere neuen Kunden unter Partnerschaft verstehen.“ Converium, die Nummer zehn im Weltmarkt, suche langfristige Beziehungen.

In der gegenwärtigen Marktlage mache es wenig Sinn, andere Gesellschaften zu übernehmen, sagte Schaar. „Ich bin sicher, dass es in der Branche eine kräftige Konsolidierung gibt. Aber das wird nicht durch Übernahmen passieren.“ Für die großen Marktteilnehmer sei ein Zukauf unnötig. „Das Geschäft, dass man haben will, bekommt man auch so, und gute Leute sind auch auf dem Markt“, sagte Schaar. Er freue sich, dass sich viele Mitarbeiter der Gerling Globale Rück bei Converium beworben hätten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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