Deutsche Versicherer wollen Asbestschäden ausschließen

Von Herbert Fromme, Köln Die deutschen Versicherer wollen nach Informationen der Financial Times Deutschland künftig alle Schäden, die auf die Wirkung von Asbest oder asbesthaltigen Substanzen zurückgehen, vom Versicherungsschutz ausklammern. Das geht aus einer internen Vorlage des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. „Hintergrund ist die Tatsache, dass sich Asbestschäden in den USA in den letzten Jahren als besonders problematisch herausgestellt haben“, heißt es in dem Papier. Die Maßnahme wird vor allem deutsche Unternehmen treffen, die schon lange in den USA und anderen gefährdeten Märkten aktiv sind oder dort Unternehmen übernommen haben.

Asbest wurde bis in die 70er Jahre als feuerhemmendes Material eingesetzt. Asbeststaub kann mit Latenzzeiten von bis zu 40 Jahren zu Lungenkrebs und anderen Krankheiten führen. Nicht nur Asbesthersteller werden verklagt, sondern auch Unternehmen mit Asbestverarbeitung, zum Beispiel Bauunternehmen und Produzenten von Autobremssystemen.

Bei dem Ausschluss geht es zwar vordringlich um die USA, die Versicherer wollen Asbestschäden aber grundsätzlich nicht mehr decken. Ein Urteil des französischen Kassationsgerichts zur Asbestose und die Entscheidung des britischen House of Lords mache einen weitgehenden Ausschluss nötig, so der GDV.

Auch in Deutschland ist Asbest die häufigste Todesursache bei Berufskrankheiten, 2000 gab es 957 Opfer. Aber hier sind Berufskrankheiten per Gesetz Angelegenheit der Berufsgenossenschaften. Die betroffenen Firmen sind bisher nicht zu Schadensersatz verurteilt worden.

Die Aktie des britischen Versicherers Royal & Sun Alliance brach am Freitag um 10,3 Prozent ein, weil neue Asbestansprüche gemeldet wurden. Der insolvente Maschinenbauer Turner & Newall verlangt Schadensersatz im Namen von früheren Mitarbeitern. Auch der ABB-Konzern wurde von schlechten Asbest-Nachrichten getroffen. Der Konzern prüft ein Konkursverfahren für den 1990 übernommenen US-Heizkesselbauer Combustion Engeering (CE). CE hat seit 1990 204 000 Asbestansprüche für 865 Mio. $ geregelt, aber weitere 111 000 stehen noch an.

Zitat:

„Asbestschäden in den USA sind besonders problematisch“ – Internes GDV-Papier.

Quelle: Financial Times Deutschland


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