Klinikchef verlangt Vertragsfreiheit

Krankenhausmanager Lohmann plädiert für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen

Von Ilse Schlingensiepen, Düsseldorf Ein führender Krankenhausmanager will nicht in das Klagelied seiner Kollegen einstimmen. Mit mehr Wettbewerb und unternehmerischer Freiheit für Anbieter sei hohe medizinische Qualität zu bezahlbaren Preisen auch bei sinkenden Einnahmen der Krankenkassen möglich, glaubt Heinz Lohmann. „Der Staat muss nur aufhören, alles zu reglementieren.“ Er sollte sich stattdessen um den Patientenschutz und die Einhaltung von Mindeststandards kümmern, sagte der Vorstandschef des LBK Hamburg, des ehemaligen Landesbetriebs Krankenhäuser, der FTD.

Mehr Wettbewerb zwischen Ärzten und Kliniken soll nach den Plänen von Sozialministerin Ulla Schmidt Teil der geplanten Reformen des Gesundheitssystems sein. Kassen hätten dann die Möglichkeit, direkt etwa mit Krankenhäusern Einzelverträge auszuhandeln und so mehr Einfluss auf die Qualität der Versorgung zu nehmen.

Heute könnten gute und wirtschaftliche Krankenhäuser wegen der Ausgabenbegrenzungen nicht wachsen, sagte Lohmann. Schlechte und unwirtschaftlich arbeitende Kliniken blieben dagegen erhalten. „Dieses Problem lässt sich nur beseitigen, indem diejenigen, die gute Qualität und gute Preiskonditionen bieten, auch Mehrleistungen verkaufen können und dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen.“

Die Optik-Kette Fielmann zeige, in welche Richtung ein unternehmerisch geprägtes, aber solidarisch finanziertes Gesundheitswesen gehen könne. Als vor Jahren die Augenoptiker behaupteten, sie könnten keine Kassengestelle mehr ohne Zuzahlung anbieten, bewies Fielmann durch geschicktes unternehmerisches Handeln das Gegenteil. „Seine Idee, hervorragende Qualität zu bezahlbaren Preisen zu verkaufen, ist ein großes Vorbild für die Gesundheitsbranche“, sagte Lohmann.

Lohmann erwartet, dass als Folge auch Anbieter auf der Strecke bleiben. „Wer sich nicht zu großen Einheiten zusammenschließt oder in die Nische geht, wird nicht mithalten können“, sagte der Klinik-Chef.

In mehreren Pilotprojekten testet der LBK bereits Direktverträge. Für einzelne urologische Operationen hat die Klinikgruppe Vereinbarungen mit drei Krankenkassen abgeschlossen. Die Kassen müssen dabei für ihre Versicherten nur einen pauschalen Preis pro Eingriff zahlen.

Die LBK-Kliniken versorgen die Patienten nach festgelegten Standards und räumen eine „Garantie“ ein: Ist eine Nachoperation nötig, übernimmt der LBK die Kosten. Steigt die Zahl der Behandlungen über ein vereinbartes Limit, gewährt die Klinik den Kassen Rabatte. Lohmann: „Wir können das nur in Abteilungen anbieten, wo wir höchste Qualität statistisch nachgewiesen haben und auch garantieren können.“ Zur Zeit arbeite der LBK an ähnlichen Verträgen für rund 20 weitere Leistungen.

Mit seinen Pilotprojekten will das SPD-Mitglied Lohmann der Bundesregierung Mut machen, die in der Koalitionsvereinbarung angestrebte Vertragsfreiheit im Gesundheitswesen auch tatsächlich umzusetzen. Der LBK Hamburg stehe dabei nicht allein, sagte Lohmann.

Nicht nur für Kliniken sollen Einzelverträge nach den Plänen von Rot-Grün als Alternative zu den bisherigen Kollektivvereinbarungen möglich sein, sondern auch für Ärzte. Langfristig setzt Lohmann auf die Kooperation mehrerer Anbieter – die dann Pakete von der ambulanten Behandlung über die Rehabilitation bis hin zur Pflege entwickeln würden. „Wir brauchen Kombilösungen.“ Über den Abschluss qualitativ hochwertiger und attraktiver Pakete könnten sich Kassen im Wettbewerb positionieren.

Quelle: Financial Times Deutschland


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