Hannoversche Leben kämpft ums Image

Neuer Vorstand will angeschlagenen Versicherer binnen zwei Jahren konsolidieren

Von Anja Krüger, Köln Der angeschlagene Direktversicherer Hannoversche Leben erwartet eine Trendumkehr in frühestens zwei Jahren. Für das laufende Jahr sei mit rückläufigen Beitragseinnahmen zu rechnen. „Wir erwarten Einnahmen aus Beiträgen in Höhe von 830 bis 840 Mio. Euro“, berichtete Volker Seidel, seit dem 1. November Mitglied des Vorstandes.

Im vergangenen Jahr seien die Einnahmen von 951 Mio.Euro auf 880 Mio.Eurogesunken. Auch mit Blick auf die Krisenstimmung im Rest der Branche ist der neue Vorstandsvorsitzende Anton Wittl dennoch optimistisch: In zwei Jahren werde seine Gesellschaft das Tal der Tränen durchschritten haben, prognostizierte er gestern.

Vor knapp sieben Wochen erst hatte Wittl seinen neuen Posten angetreten und fährt seither einen Konsolidierungskurs. Zu verdanken hat er den Job der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie hatte Vorgänger Eckart von Uckermann zum Rücktritt gezwungen.

Der hatte versucht, sinkende Zinsen mit Aktien-und Finanzmarktspekulationen auszugleichen – und sich dabei 189 Mio. Euro schwere stille Lasten in die Bücher geholt. Sie geben den Unterschied an zwischen Einkaufpreis und aktuellem Marktwert von Wertpapieren. Da die Nummer 24 im Markt Gewinne immer zeitnah an die Kunden ausgeschüttet hat, baute sie kaum Reserven auf.

Jetzt ist die Gesellschaft finanziell angeschlagen. „Die Hannoversche Leben ist zum Krisensymbol der Branche geworden“,befürchtet Wittl. Aber Krise ist nicht gleich Krise. Bei der Konkurrenz läuft das Neugeschäft in der Kapitallebensversicherung gut, bei der Hannoverschen Leben nicht.

Mit einer konsequent konservativen Anlagepolitik und Kostendämpfung will der neue Vorstand die Gesellschaft innerhalb von zwei Jahren konsolidieren. „Ich bin zuversichtlich, dass es nach der Konsolidierungsphase wieder nach oben geht“, sagt Wittl.

Weil die Gesellschaft ohne Vertreter und Makler arbeitet, kann sie eine Kostenquote von etwa fünf Prozent halten. Die meisten Konkurrenten liegen mehr als doppelt so hoch, legen also deutlich weniger Geld für die Kunden an. Ob diese den Unterschied angesichts der allgemein undurchsichtigen Verzinsungspolitik der Lebensversicherer durchschauen, ist allerdings fraglich.

Ein noch viel größeres Problem für die Hannoversche Leben ist, dass böse Zungen sie zu den mehr als zehn Problemfällen der Branche zählen, die die Krise möglicherweise nicht überleben. „Wir müssen an unserem Image arbeiten“, sagt Wittl. Unfreiwillige Unterstützung bekommt er dabei von der Konkurrenz, die fast durchgehend wegen schlechter Kapitalanlageergebnisse die Überschussbeteiligungen senken muss, glaubt er. „Uns kommt entgegen, wenn die Märkte quer gehen.“

Bild(er):

Die Zentrale der Hannoverschen Leben – Kai-Uwe Knoth.

Quelle: Financial Times Deutschland


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