Swiss Re sieht sich als Krisengewinner

Konsolidierung der Rückversicherung stärkt die Marktführer “ Interview mit dem neuen Chef John Coomber

Von Herbert Fromme, London Die Swiss Re wird die Preise für Deckungen, die Erstversicherer und große Industrieunternehmen bei ihr kaufen, weiter erhöhen und die Bedingungen verschärfen. Das kündigte John Coomber, der künftige Chef der Gesellschaft, im Gespräch mit der FTD an.

Coomber stellte klar, dass sich die Swiss Re an Rettungsaktionen für Versicherer in Schieflagen eher nicht beteiligen werde. Das gelte auch für den deutschen Lebensversicherungsmarkt. Ferner würden wenig Gewinn versprechende Geschäftsbereiche auf den Prüfstand gestellt.

„Wir können nicht mit Sondergewinnen aus unseren Kapitalanlagen rechnen“, sagte Coomber. „Der Weg zum Wiederaufbau unserer Kapitalbasis geht nur über das eigentliche Rückversicherungsgeschäft.“ Er erwartet, dass der Markt noch mehrere Jahre hart bleiben wird.

Coomber übernimmt am 1. Januar den Chefposten von Walter Kielholz, der sich seiner neuen Rolle als Verwaltungsratschef der Credit Suisse widmet, aber auch im Verwaltungsrat der Swiss Re bleibt. Der 53-jährige Coomber ist bisher mit Dienstsitz London für die Lebens-und Kranken-Rückversicherung der Swiss Re zuständig.

Das Unternehmen ist mit 28,5 Mrd. Schweizer Franken Bruttoprämien die Nummer zwei im Weltmarkt, knapp hinter der Münchener Rück. Wie die gesamte Branche muss auch die Schweizer Gesellschaft kämpfen: Der 11. September 2001 führte zum größten Schaden in der 138-jährigen Geschichte des Unternehmens – 4,2 Mrd. Schweizer Franken musste der Züricher Konzern verbuchen. Dazu kommen hohe Zahlungen für andere Großschäden.

Noch schmerzhafter ist der Einbruch der Aktienmärkte. „Die Börsen bewegen sich im dritten Jahr abwärts. Das ist höchst ungewöhnlich und hat sich seit 60 Jahren nicht mehr ereignet.“ Die Swiss Re habe 2000 begonnen, den Aktienanteil zu reduzieren. Trotzdem mussten im ersten Halbjahr 2002 noch 917 Mio. Franken auf Aktien abgeschrieben werden. In der zweiten Jahreshälfte könnten weitere Abschreibungen anfallen.

Coomber will Übernahmen nicht ausschließen. „Wir schauen uns alle Gelegenheiten, die es gibt, genau an.“ Allerdings müsse eine Übernahme mindestens einen so hohen Ertrag versprechen, wie er derzeit aus dem Ausbau des eigenen Kerngeschäfts zu erwarten ist.

Keinen Kommentar will er zum Lebens-Rückversicherungsbereich des Rivalen Employers Re abgeben, der nach Berichten aus den USA von der Konzernmutter General Electric gerade auf den Markt gebracht wird. „Wir haben schon einen Marktanteil von 25 Prozent im globalen Lebens-Rückgeschäft und einen ähnlichen Anteil in den USA“, sagte Coomber. Das sei eine ordentliche strategische Größe. „Natürlich ist es sinnvoll, zu überlegen, ob das Verhältnis von Kosten und Nutzen stimmt. Aber für uns ist eine solche Transaktion nicht zwingend.“

Erst 2001 hatte die Swiss Re den großen US-Lebensrückversicherer Lincoln Re für 2 Mrd. $ übernommen. Mit den Ergebnissen der Fusion ist Coomber „sehr zufrieden“, trotz eines inzwischen beigelegten Disputs um die Abschlussbilanz.

Deutlicher als zur Employers Re äußerte sich der neue Swiss-Re-Chef zum Lebensgeschäft der Gerling Globale Rück (GGR), das der neue GGR-Eigner Achim Kann verkaufen will. „Das Gerling-Geschäft ist seit einiger Zeit auf dem Markt, und wir haben uns nicht darum bemüht.“ Das Portefeuille sei stark fragmentiert und bringe nur wenig Skaleneffekte.

„Die Zahl der Unternehmen wird zurückgehen“, erwartet Coomber. „Der Rückversicherungsmarkt ist zu fragmentiert.“ Die Konzentration werde auf verschiedenen Wegen vonstatten gehen: durch Übernahme von Geschäft, aber nicht der betreffenden Firmen („Das Problem sind die Altlasten.“), durch Firmenkäufe und vor allem durch die Abwanderung von Risiken zu starken Gesellschaften.

„Unsere Kunden sorgen sich um die Finanzkraft ihrer Rückversicherer, von denen ihre eigene Stärke abhängt.“ Die plötzliche Aufgabe des Geschäfts im Schaden-und Unfallsegment durch die Gerling Globale Rück habe diese Sorge verstärkt. Die Swiss Re sieht sich als Rückversicherer, der in der Vergangenheit die stärksten Reserven aufgebaut hat. „Davon profitieren wir ungemein.“

Zitat:

„Der Rück-versicherungsmarkt ist zu fragmentiert“ – John Coomber, neuer Chef der Swiss Re

Bild(er):

John Coomber wird am 1. Januar 2003 Walter Kielholz als Chef der Swiss Re, des zweitgrößten Rückversicherers der Welt, ablösen – Jim Winslet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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