Versicherer wissen zu wenig über Erträge und Risiken

Gewinn-und Verlustquellen oft falsch eingeschätzt

Von Judith Csaba und Herbert Fromme, Köln Markus Rohrbasser ist wieder da. Bis 1997 war er Finanzchef der Zurich Financial Services (ZFS). Damals stolperte er über einen Verstoß gegen die Insiderregeln – ein Vorwurf, von dem er im Jahr 2000 freigesprochen wurde. Rohrbasser hat die Zeit genutzt: Mit stiller Unterstützung der ZFS hat er eine neue Software entwickelt, die Versicherern einen deutlich besseren und detaillierten Überblick über die Profitabilität ihrer Geschäftsbereiche ermöglichen soll. Die ersten Kunden sind Gruppenmitglieder der ZFS.

Rohrbasser ist Präsident der US-Gesellschaft DFA Capital Management. „Für Versicherer ist es sehr schwierig, wesentliche Fragen zur Performance ihres Unternehmens zu beantworten“, sagte er der FTD. Trotz riesiger Datenmengen wissen sie erstaunlich wenig über ihr Unternehmen, Risiken und Ertragsquellen. „Der kritische Punkt ist, wie sich diese Daten sinnvoll und entscheidungswirksam einsetzen lassen.“

Sein Programm „Advise“ erstellt eine analytische Datenbank mit Unternehmensdaten der letzten zwanzig bis dreißig Jahre. Dazu liefert ein Abonnementservice gesamtökonomische Makrodaten in das System. So lässt sich vor der Aufnahme neuer Geschäftsfelder simulieren, wie diese das gesamte Unternehmen sowie einzelne Bereiche beeinflussen werden, verspricht er.

Anders als viele Konkurrenzprodukte, die zu sehr abstrahierten, sei die Software sehr detailgetreu, so Rohrbasser. Sie ist sowohl auf das gesamte Unternehmen als auch auf einzelne Bereiche anwendbar.

„Die Unternehmensleitung hat dann gerade die Möglichkeit, die Interdependenzen zwischen den Bereichen zu analysieren“, sagte Rohrbasser. „Wir haben das System bei einem Unternehmen in den USA implementiert und stellten fest, dass zwei Rückversicherungsverträge unnötig waren.“ Die Ersparnis für den Versicherer lag bei 6 Mio. $.

Billig sind Rohrbassers Dienste nicht. Bei der ZFS-Tochter Deutsche Allgemeine wird das System Anfang 2003 eingeführt. Die Kosten liegen bei 250 000 Euro, dazu jährlich 150 000 Euro für Systempflege und das Abonnement makroökonomischer Daten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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