Versicherer zahlen Kunden deutlich weniger

Gewinnbeteiligungen sinken drastischer als erwartet

Von Anja Krüger, Köln Die Kunden deutscher Lebensversicherer erhalten im laufenden Jahr rund ein Viertel weniger Zinsen als 2002. Nach einer Untersuchung der Kölner Rating-Agentur Assekurata schreibt die Branche für 2003 durchschnittlich eine Überschussbeteiligung von 4,74 Prozent gut, nach 6,12 Prozent im Vorjahr. Selbst die niedrigere Verzinsung kann noch weiter sinken. „Ob die Unternehmen diese Prozentsätze halten können, hängt davon ab, ob sie ihren Abschreibungsbedarf bereits verarbeitet haben“, sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

An der Untersuchung nahmen 69 Versicherer teil, auf die 85 Prozent der in Deutschland verdienten Bruttoprämien entfallen. Elf Gesellschaften verweigerten die Antwort, darunter die Bayern-Versicherung. Die Höhe der Überschussbeteiligung ist sehr unterschiedlich. Ganz oben rangiert mit 6,95 Prozent die Gothaer-Tochter Asstel, ganz unten liegen Mannheimer und Arag mit 3,25 Prozent.

Beim Abschluss einer Kapitallebensversicherung garantiert der Anbieter dem Kunden für die gesamte Laufzeit eine bestimmte Verzinsung mit einer gesetzlich festgelegten Höchstgrenze. Sie liegt zur Zeit bei 3,25 Prozent. Darüber hinaus schreiben die Versicherer den Kunden weitere Zinsen gut, deren Höhe sie im Voraus für ein Jahr festlegen. Die Höhe der Überschussbeteiligung ist das wichtigste Instrument im harten Wettbewerb um die Kunden.

Einige Unternehmen haben ihre stillen Lasten – hervorgerufen vor allem wegen der Abschreibungen auf Aktien – bereits verarbeitet und die Überschussbeteiligung angepasst. Andere haben das bisher nicht getan. Sie könnten durch zu hohe Gewinnbeteiligungen Probleme bekommen.

„Spannend wird, wie die Unternehmen die Verzinsung für dieses Jahr finanzieren“, sagte Will. Die Versicherer haben mehrere Möglichkeiten: Reichen die Kapitalerträge nicht, können sie Rückstellungen auflösen, besondere Vereinbarungen mit Rückversicherern treffen oder – falls vorhanden – ihre finanzstarke Mutter zur Hilfe rufen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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