Zweiter Versicherer klagt gegen Luftfahrtpool Fortress Re

Aioi-Gruppe und Sompo werfen Management Betrug vor

Von Herbert Fromme, Köln Die japanische Aioi-Versicherungsgruppe hat die Besitzer und Manager der inzwischen nicht mehr aktiven US-Rückversicherungsagentur Fortress Re und deren Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche auf Schadenersatz in nicht genannter Höhe verklagt. Damit folgt die Aioi, die zu 33,4 Prozent dem Autohersteller Toyota gehört, der Nissan-Versicherungsgruppe, die Anfang 2002 ebenfalls Klage erhoben hatte. Nissan, nach der Fusion mit Yasuda als Sompo Japan im Markt, wirft wie Aioi dem Management Betrug vor. Die Beklagten bestreiten die Vorwürfe.

Insgesamt geht es um 2,5 Mrd. $. Der dritte japanische Versicherer, der mit Fortress Re Geschäfte machte, war im November 2001 Konkurs gegangen: Die Taisei Marine verkraftete den Schaden von 680 Mio. Euro aus dem Anschlag auf das World Trade Center (WTC) nicht.

„Die Japaner sind jahrelang klassisch über den Tisch gezogen worden“, sagt ein Luftfahrt-Versicherungsexperte. Nutznießer waren andere Erst-und Rückversicherer: Zum Beispiel konnte die Frankona Rück, heute GE Frankona, jahrelang unter ihrem Vorstandschef Achim Kann einen Großteil ihres Gewinns aus geschickten Rückversicherungsverträgen mit Fortress Re ziehen.

Die drei japanischen Versicherer bildeten einen Rückversicherungspool für Luftfahrtrisiken, den sie von Fortress Re managen ließen. Luftfahrtrisiken werden üblicherweise in viele kleine Teile zerlegt und weitergegeben. Wenn eine Airline sich versichert, gibt ihr Erstversicherer den größten Teil des Risikos an einen Rückversicherer weiter, der sich weitere Partner sucht. Dafür werden Schichten (Layer) gebildet: Bis 100 Mio. $, 100 Mio. bis 400 Mio. $, 400 bis 750 Mio. $ und so weiter.

Fortress Re war vor allem erfolgreich im Segment 50 Mio. $ oder 100 Mio. $ bis 400 Mio. $ und zeichnete dieses Geschäft mit sehr aggressiven Preisen. Eigentlich sollte Fortress Re im Auftrag des Pools wiederum Rückversicherungsschutz suchen und das Risiko der Auftraggeber auf 40 000 $ pro Police beschränken, behaupten Aioi und Nissan/Sompo.

Allerdings habe Fortress Re keine ordentlichen Rückversicherungsverträge abgeschlossen, sondern nur die Finanzrückversicherung – dabei handelt es sich effektiv um Darlehen, die zurückgezahlt werden müssen. Die Gewinne früherer Jahre wurden deshalb später von Rückforderungen der Finanzrückversicherer mehr als aufgefressen. Als dann die WTC-Katastrophe hinzu kam, traten die Probleme endgültig ans Licht.

Quelle: Financial Times Deutschland


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