Allianz an Feuersozietät interessiert

Berliner Regionalversicherer vor dem Verkauf “ Provinzial Kiel aus dem Bieterrennen

Von Herbert Fromme, Köln Der Allianz-Konzern hat Interesse an der Übernahme des problembeladenen Regionalversicherers Feuersozietät Berlin/Öffentliche Leben angemeldet. Nach Informationen der Financial Times Deutschland aus Versicherungskreisen prüft der Marktführer ein mögliches Gebot für das Berliner Unternehmen, das die Länder Brandenburg und Berlin zum Verkauf gestellt haben. Ein anderer Interessent ist dagegen ausgeschieden. Die Provinzial Kiel hat kein Interesse mehr.

Der Allianz-Konzern wollte sich nicht äußern. „Wir nehmen zu Gerüchten nicht Stellung“, sagte ein Sprecher in München. Das Allianz-Interesse kommt spät, aber wohl nicht zu spät. Die Länder wollen bis spätestens April entscheiden, wem sie die Versicherungsgruppe verkaufen. Bisher hatten drei Versicherer mehr oder weniger öffentlich ihr Interesse bekundet: neben der Provinzial Kiel waren das die Provinzial Düsseldorf und die Versicherungskammer Bayern in München.

Alle drei haben inzwischen auch eine genaue Unternehmensprüfung (Due Diligence) bei der Feuersozietät durchgeführt, die Allianz noch nicht.

„Wir konzentrieren unsere Kraft auf den Ausbau in unseren bestehenden Gebieten“, sagte ein Sprecher der Provinzial Kiel zur Begründung der Absage. Vermutungen in der Branche, nach denen die Gesellschaft Probleme mit der Finanzierung der Übernahme haben könnte, wollte er nicht kommentieren.

Für die Allianz ist die Übernahme interessant, weil ihr Marktanteil in wichtigen Geschäftssegmenten der Schaden-und Unfallversicherung in Berlin traditionell unter dem Bundesdurchschnitt von 18 Prozent liegt. In den letzten Jahren gab es deshalb einen speziellen Berlin-Tarif in der Autoversicherung, den die Konkurrenz mit Recht als Kampfpreis für die Gewinnung von Marktanteilen ansah.

Für die öffentlich-rechtlichen Versicherer, die zum Verbund der Sparkassen gehören, wäre eine solche Übernahme schmerzhaft. Sie arbeiten nach dem Regionalprinzip und wären dann in Berlin und Brandenburg nicht mehr direkt vertreten.

Der erfolgreiche Bieter für die Feuersozietät/Öffentliche Leben hat keine leichte Sanierungsaufgabe vor sich. Erst im November mussten die beiden ohnehin finanzschwachen Bundesländer jeweils 22,8 Mio. Euro einschießen, weil die Gruppe die von der Finanzaufsicht BAFin geforderten Solvabilitätsquoten nicht mehr erfüllte – das Verhältnis von Eigenkapital zu Prämienvolumen. Ohne Finanzspritze hätte die Schließung gedroht.

Die Gruppe leistete sich jahrelang ein bedeutendes aktives Rückversicherungsgeschäft. Vor allem Luftfahrt-und andere schwere Risiken wurden international gedeckt. Deshalb musste die Feuersozietät für den Schaden aus dem World Trade Center mit aufkommen. Im Rückversicherungsbestand dürften noch viele Altlasten schlummern, die beim Verkauf eine Rolle spielen.

Der Erstversicherungsbereich der Feuersozietät ist ebenfalls nicht problemfrei. Größtes Geschäftsfeld ist die Versicherung von Wohngebäuden, die in Großstädten selten lukrativ ist. Dazu kommt, dass die Gruppe vor allem über Makler vertreibt und mit rund 150 Vertretern einen nur kleinen Außendienst hat. Maklervertriebe sind teuer.

Zitat:

„Wir konzentrieren uns auf die bestehenden Gebiete“ – Sprecher der Provinzial Kiel.

Quelle: Financial Times Deutschland


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