Converium hat kaum mit Altlasten zu kämpfen

Schweizer Rückversicherer nutzt harte Marktphase “ Konzernchef Lohmann erwartet für 2003 weitere Verbesserung

Von Herbert Fromme, Köln Mit einer kräftigen Gewinnsteigerung überrascht der Rückversicherer Converium. Nach einem Verlust von 367 Mio. $ nach Steuern für das Jahr 2001 kann die Gruppe mit Sitz in Zürich für 2002 mit einem Gewinn von 107 Mio. $ glänzen. Noch haben die großen Wettbewerber ihre Zahlen nicht vorgelegt, aber bei den meisten werden sie deutlich schlechter ausfallen. Sie haben mit Altlasten aus Asbest und Umweltschäden zu kämpfen und mussten 2002 ihre US-Töchter finanziell stärken.

Diese Probleme hat Converium-Chef Dirk Lohmann nur zum Teil. Das Unternehmen, die frühere Zurich Re, wurde 2001 von der Zurich Financial Services (ZFS) an die Börse gebracht. Die ZFS übernahm weitgehende Garantien für Altlasten.

Converium kann die harte Marktphase deshalb voll ausnutzen. „Der Markt für Katastrophen-Rückdeckungen in den USA hat ein Plateau erreicht, da steigen die Preise kaum“, sagte Lohmann der FTD. Das sei in der Haftpflicht, vor allem der Berufshaftpflicht, ganz anders. Preise für Rückdeckungen in der Managerhaftung, der Arztdeckung und in ähnlichen Kategorien steigen weiter kräftig.

In Europa sieht Lohmann im Industriegeschäft weitere Preiserhöhungen wegen der Kapazitätsknappheit. In anderen Bereichen hänge der Spielraum vom Schadenverlauf ab. Das Unternehmen profitiert von der Umstrukturierung des weltweiten Rückversicherungsmarktes, vor allem dem Verschwinden der Gerling Globale Rück (GGR) aus dem Markt für Schaden-und Unfalldeckungen. „Wir gewinnen viele frühere Gerling-Kunden. Aber sie achten darauf, ihre Deckungen bei drei oder vier Gesellschaften zu platzieren und nicht mehr bei einer einzigen.“

Zukaufen will Lohmann nur im Bereich Lebens-Rückversicherung. Auch Teile des entsprechenden Geschäfts der GGR seien für Converium sehr interessant. „Wir führen zurzeit aber keine Gespräche.“

Die Bruttoprämien des Rückversicherers stiegen 2002 um 23 Prozent auf 3,53 Mrd. $. Davon gab die Gruppe 210 Mio. $ als Prämie an andere Rückversicherer weiter. Das Betriebsergebnis verbesserte Converium um stolze 529 Mio. $ von minus 461 Mio. $ auf plus 68 Mio. $.

Das Unternehmen verbesserte das eigentliche Rückversicherungsgeschäft deutlich. Die Schaden-Kosten-Quote oder Combined Ratio sank von 129 Prozent der Beitragseinnahmen auf 104 Prozent. Nach Herausrechnen des World Trade Center und anderer Altschäden war die Verbesserung immer noch erheblich: von 109 Prozent auf 104 Prozent, obwohl die Sommerflut 54 Mio. $ kostete. Trotz der Börsenflaute konnte Converium auch die Kapitalerträge um 15 Prozent auf 242 Mio. $ steigern. „Wir halten nur 8,7 Prozent unserer Anlagen in Aktien“, sagte Lohmann.

Quelle: Financial Times Deutschland


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