Finanzdienstleister MLP entrümpelt seine umstrittene Bilanz

Unternehmen meldet Verlust von 115 Mio. Euro “ Wachstum stagniert “ Dax-Wert verliert 9,4 Prozent

Von Herbert Fromme, Wiesloch Mit einem hohen Verlust von 115 Mio. Euro vor Steuern und Veräußerungserträgen hat der Finanzdienstleister MLP gestern die Märkte überrascht. Das Defizit ist das Ergebnis einer Kehrtwende in der umstrittenen Bilanzierungspolitik des Unternehmens, das vor allem vom Verkauf von Lebensversicherungen und anderen Policen an Akademiker lebt. Im Vorjahr hatte MLP noch einen Gewinn von 151 Mio. Euro gemeldet.

Die Börse reagierte auf die Verluste mit einem drastischen Kursverfall der MLP-Aktie um 9,4 Prozent auf 7,68 Euro. Das Papier konnte nicht vom Verbleib im Börsenindex Dax profitieren, den die Deutsche Börse erst am Dienstagabend beschlossen hatte.

Die wesentliche Neuerung im Bilanzierungsverfahren bestand darin, dass MLP die Vorfinanzierung von zukünftig anfallenden Provisionseinnahmen durch Dritte reduzierte. Bereits getätigte Vorfinanzierungen aus früheren Jahren wurden zurückgedreht. MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen begründete die „einschneidenden Veränderungen“ in der Bilanzierung mit der „zum Teil berechtigten, zum Teil unberechtigten Kritik“ an MLP. „Wir haben jetzt allen Kritikern den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Für 2003 erwartet Termühlen, der gestern in Wiesloch mit deutlich weniger Elan als gewohnt auftrat, wieder einen Gewinn. Mit 65 Mio. Euro wird er jedoch weitaus bescheidener ausfallen als in früheren Jahren.

Bei MLP hakt es nicht nur am Ertrag, sondern auch am Wachstum: Die Zahl der Kunden gab das Unternehmen für Ende 2002 mit 505 000 an – die Steigerung um 11,4 Prozent liegt markant unter den 22,3 Prozent des Vorjahres. Die Gesamterlöse stagnierten bei 1,06 Mrd. Euro nach 1,05 Mrd. Euro im Jahr 2001. Die Fluktuation bei den 2994 Vertretern betrug dagegen beachtliche 20 Prozent. Die Quote lag deutlich über den acht bis zwölf Prozent früherer Jahre.

Das schwache Wachstum stelle die MLP-Führung auf die Probe, sagte Analyst Carsten Zielke von der WestLB Panmure. „Ich sehe nicht, wie Termühlen jetzt die Leute motivieren will.“ Für viele große Anleger werde MLP zunehmend uninteressant. „Der Wert ist einfach zu klein, um bei denen auf dem Radarschirm zu stehen.“

Weiterer Bericht Seite 19.

Quelle: Financial Times Deutschland


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