Haftpflichtversicherer warnen vor steigenden Kosten

Neue Klinik-Vergütung führt zu Verlagerungseffekten

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Haftpflichtversicherer befürchten negative Auswirkungen des neuen Vergütungssystem für Krankenhäuser. „Gerade bei schweren Personenschäden wird es für uns auf jeden Fall messbar teurer“, sagte Rechtsanwalt Jürgen Jahnke von den LVM-Versicherungen bei einer Tagung des Rückversicherers GeneralCologne Re. Jahnkes Erwartung: Bei Opfern von Auto-oder sonstigen Unfällen rechnen Kliniken zusätzliche Leistungen ab, die die Krankenkassen nicht bezahlen.

Bislang haben sie für die Versorgung der Patienten pro Tag einen bestimmten Satz von den Kassen erhalten. Ab dem 1. Januar 2004 müssen sie die Leistungen nach Fallpauschalen (Diagnosis related groups, DRG) abrechnen: Verschiedene Diagnosen werden in einer Pauschale zusammengefasst, die den mittleren ökonomischen Aufwand abbildet. Dadurch sollen Leistungen transparenter werden und die Kosten sinken, unter anderem weil die Kliniken Patienten früher entlassen.

Gleichzeitig werden sie versuchen, den Behandlungsaufwand unter den DRG zu minimieren. Zusatzmaßnahmen, die nicht von den Pauschalen erfasst werden, werden Patienten privat in Rechnung gestellt. Bei Unfallopfern landen die Kosten beim Haftpflichtversicherer, fürchtet Jahnke. Anders als die Krankenversicherer muss er alles bezahlen.

Durch den DRG-Kostendruck könnte gerade bei Schwerverletzten an der aufwendigen Kernbehandlung gespart werden, befürchtet Jahnke gleichzeitig. Auch könnten sie zu früh entlassen werden. „Das erhöht die späteren Schmerzensgeldansprüche.“ Außerdem seien Patienten dann schwerer wieder in das Arbeitsleben einzugliedern.

„Seitens der Ökonomen im Krankenhaus wird massiv Druck auf die Ärzte ausgeübt, was die Versorgungsformen anbelangt“, erwartet Hubert Erhard vom Berufsgenossenschaftlichen Verein für Heilbehandlung Hamburg. Der Jurist Erhard nannte ein makabres Beispiel: Die DRG für die Retransplantation und die Amputation eines Fingers sind ähnlich. Für die Amputation benötigt ein Arzt eine halbe Stunde, mit der Retransplantation ist ein Dreier-Team drei Stunden beschäftigt. Da bestehe die Gefahr, dass sich die Ärzte für die Amputation entscheiden, die mehr Erlös bringt.

Zitat:

„Es wird für uns auf jeden Fall messbar teurer“ – Schadenregulierer Jürgen Jahnke.

Quelle: Financial Times Deutschland


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