HDI und Gerling-Eigner im Kern einig

Industrieversicherer vor dem Kauf der operativen Gerling-Töchter “ Deutsche Bank macht Druck

Von Herbert Fromme, Köln Der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) in Hannover steht nach FTD-Informationen kurz vor der Übernahme der wichtigsten operativen Gesellschaften des angeschlagenen Gerling-Konzerns. Das sind in erster Linie der zweitgrößte deutsche Industrieversicherer Gerling-Konzern Allgemeine und die Gerling-Konzern Leben.

Im Erfolgsfall wäre dies die größte Versicherungsfusion in Deutschland seit dem Zusammengehen von Hamburg-Mannheimer, Victoria und DKV unter dem Ergo-Dach im Jahr 1997. Mit Prämieneinnahmen von 21 Mrd. Euro, davon 12,5 Mrd. Euro in der Erst-und 8,5 Mrd. Euro in der Rückversicherung, wäre der HDI der drittgrößte Versicherungskonzern in Deutschland.

HDI-Manager und Vertreter der beiden Aktionäre Rolf Gerling, der 65,5 Prozent hält, und Deutsche Bank, die mit 34,5 Prozent beteiligt ist, einigten sich nach Informationen aus Finanzkreisen in allen wesentlichen Fragen. Der Durchbruch wurde in einem Verhandlungsmarathon am Wochenende erzielt. Eine Vereinbarung soll innerhalb der nächsten zwei Wochen unterzeichnet werden.

Im Kern sei man sich einig, nur an „Nebenfragen, die allerdings wichtig sind“, könne der Deal noch scheitern, hieß es. Dazu gehören Probleme der Haftung für Forderungen an die Gerling Globale Rück. Offen ist auch, welche Pensionsrückstellungen der HDI übernimmt.

Der Hannoveraner Versicherer hatte bereits im Dezember ein Angebot vorgelegt. Danach sollten die HDI-Zwischenholding Talanx und die Gerling-Holding GKB verschmolzen werden. Jetzt hat der Deal eine neue Struktur: Die Fusion ist vom Tisch. Stattdessen will der HDI die GBK-Tochter Gerling Welt Service (GWS) kaufen, über die der Kölner Konzern seit einigen Monaten seine operativen Töchter hält. Der Kreditversicherer Gerling NCM, für den sich die Deutsche Bank interessiert, wird nicht übernommen, er wird vorher aus der GWS herausgelöst. Der HDI zahlt für die GWS nur mit Aktien – den größten Teil Papiere der bisher nicht börsennotierten Talanx, einen kleineren Teil Aktien der Hannover Rück. An der Bewertung vom Dezember, die die Gerling-Töchter auf rund 1Mrd. Euro taxierte, habe sich wenig geändert, hieß es.

Druck in Richtung auf eine schnelle Lösung macht vor allem die Deutsche Bank. Sie musste im Jahr 2002 auf ihr Gerling-Engagement 700 Mio. Euro abschreiben, jetzt steht es noch mit 500 Mio. Euro in den Büchern. Von „aussichtsreichen Verhandlungen“ mit Interessenten sprach Bank-Chef Josef Ackermann denn auch am Freitagvormittag. Seine Sorge: Der gesamte Gerling-Konzern könnte wegen der ungelösten Probleme mit der Gerling Globale Rück in eine Schieflage geraten.

Die GGR befindet sich in Abwicklung und wurde zur Entlastung der Konzernbilanz zum 1. Januar 2003 an den Exmanager Achim Kann übertragen. Die Finanzaufsicht BAFin sieht dies kritisch. Wird der Deal nicht genehmigt und findet sich kein anderer Käufer, wäre der hoch defizitäre Rückversicherer wieder Teil des Gerling-Konzerns, der dann gesetzliche Eigenkapitalanforderungen nur schwer erfüllen kann.

Quelle: Financial Times Deutschland


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