Managerhaftpflicht wird restriktiver

Versicherer leiden unter Ansprüchen von Unternehmen gegen eigene Führungskräfte

Von Judith Csaba und Herbert Fromme, Hamburg Unternehmen müssen mit deutlich höheren Preisen und verschärften Bedingungen in der Managerhaftpflicht rechnen, die sie für leitende Mitarbeiter und Aufsichtsräte abschließen. „Der Markt hat sich in den letzten Monaten vollständig gedreht“, sagte Joachim Albers, Spezialist für die so genannte Directors and Officers Insurance (D&O) bei der Allianz Global Risks.

In Einzelfällen ist überhaupt keine Deckung zu bekommen. Armin Beier-Thomas von der Maklerfirma Gebrüder Krose sucht bisher vergeblich nach einer umfassenden D&O-Police für einen US-Manager. Er tritt seinen Vorstandsposten in Deutschland nicht an, wenn niemand ihn versichert. „Ich appelliere an die Versicherer, Preise für solche Deckungen zu nennen und Ausschlüsse zu vermeiden“, sagte Beier-Thomas.

Vor allem die Schadenersatzansprüche von Unternehmen gegen ihre eigenen Manager, die Innenansprüche, machen den Versicherern Sorgen. Hier ist die Gefahr des Missbrauchs besonders groß. „Die Nutzung von D&O-Policen zum Zweck der Unternehmenssanierung bringt den gesamten Markt in Bedrängnis“, sagte Albers.

Die Gesellschaften gehen unterschiedlich mit der Bedrohung um: Manche bestehen jetzt darauf, dass ein solcher Fall vor Gericht gebracht wird, bevor sie zahlen. Andere verlangen, dass sich das Unternehmen von dem betreffenden Manager trennt. Eine dritte Methode ist die Verpflichtung für den Betroffenen, einen Teil des Schadens aus eigener Tasche zu erstatten.

Horst Ihlas vom Versicherer Chubb, nach der AIG und vor der Allianz die Nummer zwei im deutschen Markt, will so genannte Innenansprüche grundsätzlich ausschließen. Nur unter bestimmten, genau festgelegten Bedingungen sollten sie mit abgedeckt werden. „Sonst übernimmt die D&O-Versicherung das unternehmerische Risiko. Das kann sie aber nicht leisten“, sagte Ihlas.

Bis zur Liberalisierung 1994 zeichneten nur US-Versicherer dieses Geschäft in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben deutsche Gesellschaften das scheinbar lukrative Geschäft entdeckt. Vor fünf Jahren betrugen die Prämien marktweit 20 Mio. Euro, für das laufende Jahr schätzt Albers sie auf 250 Mio. Euro. Angesichts der versicherten Risiken sei das noch wenig: „Ein Großschaden könnte den ganzen Markt unter Wasser setzen“, befürchtet er.

Beim Eintritt in das ungewohnte D&O-Geschäft waren viele Versicherer im deutschen Markt großzügiger als ihre Kollegen in den USA oder Großbritannien.

Sie deckten die Innenansprüche fast immer mit ab. Erst die Pleite des US-Energiehändlers Enron machte ihnen klar, welche Risiken sie damit übernehmen. „Enron spielt für die D&O Versicherung die Rolle, die der 11. September für die Sachversicherung spielt“, sagte Albers. Die Enron-Pleite zog 56 D&O-Klagen nach sich. In Deutschland führte der Holzmann-Konkurs zu einem Großschaden, allein die Abwehrkosten betrugen 11 Mio. Euro.

Die Versicherer wurden in den letzten Jahren nicht nur von den Schadenhöhen überrascht, sondern auch von der Frequenz. Einerseits verweisen sie auf Wirtschaftsflaute und Firmenpleiten. Andererseits habe sich aber auch die Anspruchsmentalität von Unternehmen an ihre Manager verändert, sagte Albers.

Zitat:

„Der Markt hat sich in den letzten Monaten vollständig gedreht“ – Joachim Albers, Allianz

Bild(er):

Enron-Mitarbeiter verpackt Firmenschild. Die Pleite des US-Energiehändlers beunruhigt die Assekuranz – AP/David J. Phillip.

Quelle: Financial Times Deutschland


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