Münchener Rück sucht Käufer für niederländische Töchter

Zwischenholding Ergo unzufrieden mit Ergebnissen

Von Herbert Fromme, Köln Ergo, die Erstversicherungsholding der Münchener Rück, sucht einen Käufer für die meisten niederländischen Tochterunternehmen des Konzerns. Nach Informationen der Financial Times Deutschland ist das Unternehmen vom Geschäftsverlauf enttäuscht und erwartet insbesondere in der privaten Krankenversicherung kaum Besserung.

Ein Ergo-Sprecher in Düsseldorf wollte keine Stellungnahme abgeben. „Wir kommentieren Gerüchte grundsätzlich nicht“, sagte er.

Die Münchener-Rück-Gruppe erzielte 2001 Prämieneinnahmen von 435 Mio. Euro durch ihre niederländischen Erstversicherungstöchter. Nach Italien ist das westliche Nachbarland damit der zweitwichtigste Auslandsmarkt für die Ergo, die insgesamt auf Beitragseinnahmen von 2,66 Mrd. Euro außerhalb Deutschlands kam, 21 Prozent ihrer gesamten Prämieneinnahmen.

Die Münchener Rück steht nicht allein mit ihren Zweifeln am niederländischen Markt. Im November gab es Gerüchte, nach denen die Axa einen Käufer für ihr dortiges Geschäft sucht. Die Pariser Gruppe dementierte nicht. Zur Münchener-Rück-Tochter Ergo gehört in den Niederlanden unter anderem die Nieuwe Hollandse Lloyd (NHL) mit Prämieneinnahmen von 153 Mio. Euro im Jahr 2001, davon 113 Mio. Euro im Schaden-und Unfallgeschäft und 40 Mio. Euro in der Lebensversicherung. Mit einer Schaden-und Kostenquote („combined ratio“) von 126 Prozent legte die NHL auf jeden Prämien-Euro 26 Cent dazu.

Weitere Sorgenkinder sind die drei Unternehmen im Bereich Krankenversicherung, die unter der Obergesellschaft DKV Nederland betrieben werden: die Verzekeringsmaatschappij Rijnmond, die NVS Verzekeringen sowie die gesetzliche Krankenkasse OWM Ziekenfonds Nederzorg.

Im drittgrößten Markt für private Krankenversicherer in Europa hat die Gruppe 205 000 Kunden und Beitragseinnahmen von 216 Mio.Euro. Für 2001 mussten die drei Krankenversicherer einen Verlust von 2,3 Mio.Euro melden.

Offenbar gibt es im Management der Münchener Rück und der Ergo Zweifel an den langfristigen Gewinnaussichten angesichts der scharfen Konkurrenz und der starken politischen Einflussnahme auf die private Krankenversicherung. Rund 30 Prozent der Bevölkerung sind privat versichert, davon die Hälfte über Gruppenverträge der Arbeitgeber.

Zitat:

„Im Management der Münchener Rück gibt es Zweifel an den Gewinnaussichten“.

Quelle: Financial Times Deutschland


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