Subventionen bremsen die Schlagkraft in den Docks

Die Rostocker Werften dürfen nicht so, wie sie können

Von Katrin Berkenkopf Das Überleben war politisch gewollt: Kurz nach der Wiedervereinigung beschloss die damalige Regierung Kohl, die Werften in der Ex-DDR mit massiver Staatshilfe zu modernisieren. Damit wurde eine der wenigen Industrien an der strukturschwachen Ostseeküste erhalten. Heute gehören die Werften im Osten zu den modernsten der Welt. Zwei von ihnen haben ihren Sitz in Rostock-Warnemünde: Kvaerner-Warnow und Neptun.

Unter dem Namen Neptun werden in Rostock seit 1850 Schiffe gebaut. Seit der Neuordnung der ostdeutschen Werften darf das Unternehmen allerdings keine neuen seegängigen Schiffe mehr herstellen. Deshalb heißt das Herzstück der Firmengruppe jetzt Neptun-Reparaturwerft. Hier werden Fähren aus der Ostsee instand gesetzt oder Stahlbauten für andere Werften gefertigt, etwa die Meyer-Werft in Papenburg. Sie ist Spezialist für Kreuzfahrtschiffe und seit 1997 Eigentümer von Neptun. Ursprünglich hatte die Treuhand Neptun an die Bremer Werft Vulkan verkauft, die aber ist 1996 in Konkurs gegangen.

Rund 550 Mitarbeiter hat die Neptun Holding derzeit, seit zwei Jahren bauen sie auch wieder komplette Schiffe – für Binnengewässer, damit sie den Auflagen gerecht werden. Der Reederei Seetours haben sie bereits zwei Flußkreuzfahrer geliefert. Ein dritter wird demnächst fertig.

Die EU erlaubte der Bundesregierung nach der Wiedervereinigung die Milliardensubventionen für die Schiffbauer an der Ostsee, verlangte dafür aber – auf Druck der Konkurrenz vor allem in Dänemark und Frankreich – dass ihre Produktion auf dem Stand zur Wende bliebe.

Während Neptun schon von der Treuhand das Neubau-Verbot auferlegt bekommen hatte, traf die EU-Auflage nun auch Kvaerner-Warnow. Die 1946 gegründete ehemalige Vorzeige-Werft der DDR darf ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen: Sie könnte heute pro Jahr mehr als sechs Schiffe mit Platz für 2500 Container bauen, erlaubt sind aber nur vier. Das gilt bis Ende 2005.

Bei Kvaerner-Warnow wurde Anfang der 90er Jahre mehr als eine halbe Milliarde Mark investiert, das meiste davon kam von der Treuhandanstalt. Fast 80 Prozent der alten Einrichtung wurden abgerissen. Von den 5700 Mitarbeitern vor der Wende sind heute rund 1150 übrig.

Acht Containerschiffe hat Kvaerner-Warnow derzeit noch im Auftragsbuch und ist damit bis Juli kommenden Jahres beschäftigt. Mitte 2002 sah es in Warnemünde noch düster aus: Die EU genehmigte keine neuen Subventionen für den Schiffbau auf europäischen Werften mehr. Die ohnehin raren Aufträge der Reeder flossen beinah ausschließlich ins billige Südkorea oder nach China statt nach Deutschland. Ab Oktober 2002 jedoch gab es neue Subventionen, folglich neue Aufträge, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Schiffbauer im Land sind nicht nur besonders produktiv, sie bekommen auch von der Landesregierung das Höchstmaß an Zuschüssen. Die EU erlaubt Subventionen in Höhe von sechs Prozent des Auftragswerts. Zwei Drittel der Subventionen tragen in Deutschland die Länder, der Bund den Rest. Geben die Länder weniger, kürzt auch Berlin. In Schleswig-Holstein und Hamburg müssen Werften daher mit weniger Geld auskommen.

Werften und ihre Zulieferer sind für Mecklenburg-Vorpommern besonders wichtig. Sie erzeugen zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes, das ist ein Fünftel der Leistung des gesamten verarbeitenden Gewerbes. 4500 Menschen arbeiten allein auf den Werften. „Wir sind heute der führende Standort für den Handelsschiffbau in Deutschland“, heißt es im Schweriner Wirtschaftsministerium. „Und wenn die Volumenbeschränkungen erst aufgehoben sind, wird es noch besser.“

Im vergangenen Jahr fusionierte die Werften-Mutter Kvaerner mit dem ehemaligen Konkurrenten Aker, dem Besitzer von Aker MTW in Wismar. Die Werft ist der größte ostdeutsche Schiffbauer. Die Führung des neuen Aker-Kvaerner-Konzerns hat beschlossen, dass die beiden deutschen Töchter künftig enger zusammenarbeiten sollen. Sie haben haben zwar einen gemeinsamen Vorstand, werden aus steuerlichen Gründen aber rechtlich eigenständig bleiben.

Die Konstruktion wird in Wismar konzentriert, Forschung und Entwicklung in Rostock-Warnemünde. Arbeitsplätze sollen durch den Umbau – zumindest in diesem Jahr – nicht verloren gehen. Die insgesamt rund 2500 Beschäftigten haben sich im vergangenen Jahr bereit erklärt, bis Ende 2003 auf ihr Urlaubs-und Weihnachtsgeld zu verzichten. Die Geschäftsführung hat im Gegenzug versprochen, bis dahin niemandem zu kündigen.

Zitat:

„Wir sind heute der führende Standort für den Handelsschiffbau in Deutschland“ – Aussage aus dem Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle: Financial Times Deutschland


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