Verhandlungen über Gerling in der Schwebe

Nächster Termin mit dem Interessenten HDI Anfang März

Von Herbert Fromme, Köln Die Verhandlungen zwischen dem HDI und den Aktionären der Gerling-Gruppe ziehen sich weiter hin. HDI-Chef Wolf-Dieter Baumgartl und Vertreter der beiden Anteilseigner Rolf Gerling und Deutsche Bank verabredeten bei ihrem gestrigen Gespräch in der Kölner Niederlassung der Bank einen weiteren Termin für Anfang März.

Der HDI will die Erstversicherungsgruppe des Kölner Konzerns kaufen, vor allem die Gerling Konzern Allgemeine und die Gerling Konzern Leben. Es gebe weiter Klärungsbedarf für bestimmte Risiken, die vom HDI übernommen werden sollen, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. In der Bewertung reagierten Branchenkreise unterschiedlich. Einerseits wird Baumgartl zugetraut, den erheblichen Druck, der auf Gerling und seinen Aktionären lastet, kühl auszunutzen und sowohl den Preis als auch die Bedingungen für den HDI zu verbessern. Andererseits wird darauf hingewiesen, dass der HDI mit der Übernahme ein erhebliches Risiko eingeht, vor dem der gewiefte HDI-Chef doch noch zurückzucken könnte.

Auf jeden Fall belastet die ungeklärte Zukunft des tief defizitären Rückversicherers Gerling Globale Rück (GGR), der abgewickelt wird, die Gespräche. Der Konzern hatte die GGR an den Manager Achim Kann abgegeben, um die eigene Bilanz zu entlasten. Gegen diese Übertragung wehren sich Kunden der GGR, also Erstversicherer, und Gläubiger, die GGR-Anleihen gezeichnet haben.

Die größten Probleme hat die GGR in den USA. Die Versicherungsaufsicht in New York habe Bedenken gegen den Kann-Deal angemeldet, heißt es in Branchenkreisen. Sie werden von der deutschen Finanzaufsicht BaFin in Bonn offenbar geteilt. Inzwischen verhandelt der Gerling-Konzern über eine alternative Lösung mit Castlewood Holdings, einem Abwicklungsspezialisten, der von dem Finanzier Chris Flowers kontrolliert wird. Flowers hatte auch für die Erstversicherungsgruppe des Konzerns ein Angebot abgegeben.Euro

Trotz des starken Neugeschäfts in der Lebensversicherung, die 2002 um 17 Prozent zulegte, und des guten Rufs Gerlings als Industrieversicherer könnten die operativen Töchter in Probleme geraten, wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird.

Quelle: Financial Times Deutschland


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