Führungskrach verschärft Krise bei Gerling

Vorstand Björn Jansli ersetzt Konzernchef Heinrich Focke

Von Herbert Fromme, Köln Der Rücktritt von Gerling-Chef Heinrich Focke nach nur 14 Monaten im Amt verschärft die Krise des angeschlagenen Kölner Versicherers. Der 50-jährige Focke ging nach heftigen Zusammenstößen mit Aufsichtsratschef Joachim Theye, ein Vertrauter von Mehrheitsaktionär Rolf Gerling. Fockes Nachfolger ist der Brite Björn Jansli. Der 56-Jährige ist Mitglied des Konzernvorstands und Chef des Industrieversicherers Gerling Allgemeine.

Focke hatte bis zuletzt versucht, eine Lösung für den finanzschwachen Versicherer durch den Einstieg von Private-Equity-Investoren zu finden. Mit zwei Gruppen seien die Verhandlungen sehr weit gediehen, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Sowohl der US-Finanzier Christopher Flowers als auch die Gruppe um Texas Pacific seien bereit, über den Weg einer Kapitalerhöhung einzusteigen.

„Das bedeutet allerdings, dass die beiden Altaktionäre kein Geld sehen“, sagte ein Insider. Sowohl für Rolf Gerling, der 65,5 Prozent hält, als auch die Deutsche Bank mit ihren 34,5 Prozent sei das inakzeptabel.

Die beiden setzen stattdessen auf einen Deal mit dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI), bei dem die wichtigsten Gerling-Erstversicherer mit HDI-Töchtern fusioniert werden. Dafür sollen die Gerling-Aktionäre mit Aktien der HDI-Zwischenholding Talanx und der Hannover Rück bezahlt werden. Die entscheidenden Verhandlungen mit dem HDI führten die Aktionäre ohne den Spitzenmanager Focke.

Auch der Plan, den verlustbringenden Rückversicherungsteil über eine Abtretung an Manager Achim Kann aus der Bilanz zu entfernen, sorgte für Streit. Gerling-Kreisen zufolge war Focke früh für einen Vertrag mit Abwicklungsspezialist Castlewood eingetreten, der unterschriftsreif vorlag. Theye brachte im November den ihm gut bekannten Kann ins Spiel. Inzwischen hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Deal mit Kann verboten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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