Mannheimer-Gruppe sucht Käufer

Bankhaus Sal. Oppenheim erhält Mandat “ Probleme in der Lebensversicherung

Von Herbert Fromme, Köln Die im MDax notierte Mannheimer Versicherungsgruppe gibt ihre Selbstständigkeit auf. Nach Informationen der Financial Times Deutschland hat das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim das Mandat erhalten, einen Käufer für die gesamte Gruppe zu finden.

Die Mannheimer wollte nicht Stellung nehmen. „Weder bestätigen wir das noch dementieren wir“, sagte ein Sprecher.

Schon im Januar hatte Konzernchef Hans Schreiber die „Prüfung aller strategischen Optionen wie Teilverkauf, Verkauf oder Fusion“ angekündigt.

Offenbar ist diese Prüfung jetzt beendet. Der Verkauf steht fest – wenn sich denn ein passender Käufer findet.

Damit zieht der Konzern die Konsequenzen aus seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage. Auch die Finanzaufsicht BaFin, heißt es in Branchenkreisen, habe ihr Interesse daran deutlich gemacht, dass die Mannheimer möglichst schnell einen Partner findet. Leicht wird das nicht: Zurzeit werden zahlreiche Versicherungsgesellschaften angeboten, es gibt aber nur wenige finanzkräftige Käufer.

Der mit 811 Mio. Euro Prämieneinnahmen mittelgroße Versicherer war bisher immer sehr stolz auf seine Unabhängigkeit, die Schreiber mittels einer ausgeklügelten Aktionärsstruktur aufrechterhalten konnte. Neben dem österreichischen Versicherer Uniqa, der 13 Prozent hält, ist die Münchener Rück mit zehn Prozent beteiligt. Andere Rückversicherer wie die Swiss Re besitzen kleinere Anteile von unter fünf Prozent. Insgesamt kommen die Versicherer und Rückversicherer auf über 40 Prozent. Die verschiedenen Rückversicherer hatten jahrelang ein Interesse an der Unabhängigkeit des Unternehmens, denn schließlich war die Mannheimer ein guter Kunde.

Nach der Katastrophe im Lebensversicherungsgeschäft hat sich das geändert. Die Mannheimer braucht dringend frisches Geld, und das ist in der gegenwärtigen Situation bei allen Aktionären knapp. Der Enthusiasmus für eine Kapitalerhöhung ist entsprechend gering.

Konzernchef Schreiber und Klaus Bohn, Chef des Lebensversicherungsbereichs, haben sich vor allem bei ihren Aktienanlagen gigantisch verspekuliert. Der Lebensversicherer verbuchte 2002 einen Verlust von 60 Mio. Euro. Abschreibungen in Höhe von 112 Mio. Euro auf Aktien und andere Anlagen schlugen durch.

Doch zeigt selbst diese Summe nur ein Teilproblem: Denn die Abschreibungen, die der Lebensversicherer in Erwartung besserer Börsenzeiten noch nicht vorgenommen hat, beliefen sich schon im Dezember 2002 auf 230 Mio. Euro. Inzwischen dürften diese stillen Lasten höher liegen. Sie werden in der Bilanz 2003 auftauchen, es sei denn, die Börse legt noch kräftig zu.

Die Mannheimer hat sich inzwischen ganz aus der Kapital-Lebensversicherung zurückgezogen und konzentriert sich auf Risiko-und Berufsunfähigkeitsprodukte sowie Riester-Renten. Die Vertreter verkaufen Kapital-Lebensversicherungen von Gerling und Victoria. Kunden mit bestehenden Verträgen erhalten nur noch die gesetzliche Mindestverzinsung, denn die Mannheimer wickelt das Geschäft ab.

Zitat:

„Wir prüfen alle strategischen Optionen wie Teilverkauf, Verkauf oder Fusion“ – Mannheimer-Chef H. Schreiber im Januar.

Quelle: Financial Times Deutschland


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