Swiss Re will Mehrheit an Gerling NCM

Verhandlungen kurz vor dem Abschluss “ Rückversicherer sichert Wert seiner 25-Prozent-Beteiligung

Von Herbert Fromme, Köln Die Swiss Re steht nach FTD-Informationen kurz vor der Übernahme des Kreditversicherers Gerling NCM, der bisher vom angeschlagenen Gerling-Konzern kontrolliert wird. Der Rückversicherer hält bereits 25 Prozent plus eine Aktie an der Gesellschaft, die 2001 aus der Fusion der Gerling Kredit mit der niederländischen Swiss-Re-Tochter NCM hervorgegangen war.

Gerling besitzt 54 Prozent, die restlichen 21 Prozent gehören mehreren Banken. Beide Gesellschaften wollten keinen Kommentar abgeben.

„Die Swiss Re will die NCM aus den Turbulenzen des Gerling-Konzerns herausholen und so den Wert ihrer Beteiligung von 25 Prozent sichern“, sagte ein Insider. Die Verhandlungen seien weitgehend abgeschlossen, es gehe noch um „letzte Feinheiten“.

Auch die Deutsche Bank hatte vor vier Wochen Interesse an Gerling NCM gezeigt und bereits eine Überprüfung der Finanzsituation, die so genannte Due Diligence, gemacht. Die Übernahme wäre Teil einer Gesamtlösung gewesen, mit der die Bank ihr ungeliebtes Engagement von 34,5 Prozent an dem Versicherungskonzern beenden wollte. Jetzt befürworte man in Frankfurt die Swiss-Re-Lösung, hieß es in den Kreisen weiter.

Es wird höchste Zeit für Gerling NCM, sich aus dem Kölner Konzern zu verabschieden. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hatte in den vergangenen Wochen ihre Bewertung der Gerling-Konzerntöchter Gerling Allgemeine und Gerling Leben in zwei Schritten von „A+“ auf das geschäftsschädigende „BB+“ gesenkt.

Grund sind die Schwierigkeiten des Gesamtkonzerns, der zum Verkauf steht und Probleme hat, die hoch defizitäre Tochter Gerling Globale Rück abzutrennen. Dazu kamen in der letzten Woche heftige Turbulenzen in der Chefetage, als Heinrich Focke nach nur 14 Monaten seinen Hut nahm.

Für den Kreditversicherer wäre ein schlechteres Rating als das jetzige „A“ erst recht eine Katastrophe. Im hoch sensiblen Geschäft um Forderungsausfälle ist die Finanzkraft des Versicherers entscheidend. Gerling NCM ist Weltmarktzweiter hinter der Allianz-Tochter Euler & Hermes. Das Unternehmen versichert Industrie, Handel und Gewerbe gegen Forderungsausfälle, falls Kunden zahlungsunfähig werden. Im Jahr 2002 hatte NCM rund 1,35 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet, davon 1,25 Mrd. Euro Versicherungsprämien und Gebühren. Als Ergebnis wird eine schwarze Null erwartet.

Der Verkauf sollte dem Gerling-Konzern eigentlich einen dreistelligen Millionenbetrag bringen. Gerling NCM wird im Markt auf einen Gesamtwert von 750 bis 900 Mio. Euro geschätzt.

Allerdings ist unklar, inwieweit Gerling aus der Fusion im Jahr 2001 noch Verpflichtungen bei Swiss Re oder Banken hat. Gerling NCM sollte 2003 an die Börse gehen. Mittelfristig ist ein solches Vorgehen auch unter Swiss-Re-Kontrolle sehr wahrscheinlich: Der Rückversicherer hat sich von Erstversicherern in den letzten Jahren konsequent getrennt.

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Der neue Gerling-Chef Björn Jansli hat eine Menge Arbeit vor sich, wenn er den Versicherungskonzern flott retten will – FTD-Montage; Brauchitsch.

Quelle: Financial Times Deutschland


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