Terrorabsicherung bleibt unbeliebt

Die Großindustrie ist vom Sinn der teuren Policen nur schwer zu überzeugen

Von Ilse Schlingensiepen Die Angst vor Terroranschlägen ist durch den Irak-Krieg wieder gewachsen. Das hat bei der Industrie aber nicht zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Terrordeckungen geführt. „Wir registrieren ein ungebrochenes Interesse. Einen auffälligen Schub hat es durch den Krieg nicht gegeben“, berichtete Dirk Harbrücker, Vorstand der Extremus AG.

Die Kölner Gesellschaft nahm im Oktober 2002 den Betrieb auf. Sie wurde als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 zur Versicherung terrorbedingter Schäden gegründet. Gesellschafter sind 16 deutsche Erst-und Rückversicherer. Extremus versichert Schäden zwischen 25 Mio. Euro und 13 Mrd. Euro. Die ersten 3 Mrd. Euro deckt die deutsche und internationale Assekuranz, danach springt der Staat ein. Bislang hat Extremus knapp 900 Policen verkauft. Das Unternehmen trifft gerade bei der Großindustrie auf starke Widerstände. Ihr sind unter anderem die Prämien zu hoch und zu pauschal. „Wir sind ein ungewolltes Kind“, so Harbrücker.

Die Gefahr von Terroranschlägen sei nicht gesunken, angesichts des Kriegs nehme sie wieder zu, sagte Edmund Schwake, Vorsitzender des zuständigen Hauptausschusses im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Wirtschaft zunächst vehement die Möglichkeit einer Terrorversicherung einfordert und dann, nachdem auch mit Hilfe des Staates ein tragfähiges Modell zur Verfügung steht, diese Deckung nicht einkauft“, kritisierte Schwake die Industrie.

Bei den Prämien liegt Extremus knapp unter 100 Mio. Euro. „Damit haben wir die kritische Größe erreicht“, sagte Harbrücker. Als Minimalziel hatte Extremus zunächst 300, dann 200 Mio. Euro genannt. Nachverhandlungen mit den Rückversicherern hätten zu besseren Konditionen geführt, deshalb reiche jetzt ein geringerer Umsatz, so Harbrücker.

Der Luxemburger Terrorversicherer Special Risk Insurance and Reinsurance Luxembourg (SRIR), der Anfang 2002 von Allianz, Zurich Financial Services, Swiss Re, Hannover Rück und XL Winterthur gegründet wurde, hat schon wieder die Segel gestrichen. SRIR konzentrierte sich auf internationale Terrorismus-Schäden, während das Geschäftsfeld von Extremus auf Deutschland beschränkt ist. SRIR konnte gerade mal 80 Verträge verkaufen. „Offenbar ist bei vielen Unternehmen kein Risikobewusstsein vorhanden, was den Terrorismus angeht“, kommentierte Steve Schleisman, Chef der Allianz-Industrieversicherungstochter Allianz Global Risks und Aufsichtsratschef der SRIR. Auch machte dem Unternehmen die Konkurrenz zu schaffen. „Die Preise waren deutlich zu niedrig“, so Schleisman.

Zitat:

„Mit 100 Millionen Euro haben wir die kritische Größe erreicht.“ – Dirk Harbrücker.

Quelle: Financial Times Deutschland


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