Aktienflaute schadet Allianz Leben nur mäßig

Größter deutscher Lebensversicherer hat trotz herber Verluste noch Reserven “ Anbieter gewinnt Marktanteile bei Neuabschlüssen

Von Herbert Fromme, Stuttgart Mit vergleichsweise wenig Blessuren hat die Allianz Lebensversicherung bisher die schon drei Jahre dauernde Talfahrt der Aktienmärkte überstanden. Der Marktführer hat nach gestern veröffentlichten Zahlen immer noch stille Reserven. Die haben allerdings schon deutlich abgenommen.

Die Schwäche der Aktienmärkte hat die Anlagen der Versicherer kräftig entwertet. Konkurrenten der Allianz wie die Victoria Leben klagen über tiefe Löcher in den Bilanzen, die sie nur vorübergehend stopfen, indem sie Abschreibungen verzögern.

Nicht nur finanziell steht sie besser da als viele Konkurrenten, die Allianz Leben gewinnt auch Marktanteile – 2002 waren es 18,4 Prozent des gesamten Neugeschäfts, nach 15,1 Prozent im Vorjahr. „Vom Trend zur Qualität profitiert die Allianz Leben besonders stark“, sagte Vorstandschef Gerhard Rupprecht selbstbewusst.

Erstmals verkauften Vertreter, Makler und Bankangestellte mehr als eine Million Policen für den Versicherer. Von den 1,1 Millionen Verträgen – 82 Prozent mehr als im Vorjahr – entfielen 534 000 auf Riester-Renten. Der Neugeschäftsbeitrag stieg um 30 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro

Die 2001 von der Allianz geschluckte Dresdner Bank habe 2002 rund zwölf Prozent des Neugeschäfts vermittelt. 2001 seien die damaligen Partner Dresdner und HypoVereinsbank zusammen nur auf acht Prozent gekommen, so Rupprecht.

Wesentlich zum Boom beigetragen hat das Firmengeschäft, aus dem 851 Mio. Euro oder ein Drittel des gesamten Neugeschäfts stammten. „Wir profitieren sehr deutlich von der Renaissance der betrieblichen Altersversorgung“, sagte Vorstand Michael Hessling. Ende 2002 hatten 385 000 Arbeitnehmer über betriebliche Systeme bei der Allianz Leben eine Altersversorgung, mehr als doppelt soviel wie die 171 000 im Vorjahr. Vor allem die geöffnete Pensionskasse, die sich von Null auf 160 000 entwickelte, sei ein Wachstumsträger.

Doch die Verluste an den Kapitalmärkten haben tiefe Spuren hinterlassen. Die stillen Reserven, der Unterschied zwischen Buchwert und Zeitwert der Kapitalanlagen, betragen zur Zeit nur noch vier Prozent der Kapitalanlagen. Der Nettoertrag aus Kapitalanlagen fiel um 23 Prozent. Abschreibungen belasteten das Ergebnis mit 2,6 Mrd. Euro, deutlich mehr als die 466 Mio. Euro im Vorjahr. Auch die Allianz Leben nutzte den 2001 geänderten Paragraphen 341 b des Handelsgesetzbuches und schob Abschreibungen von 1,4 Mrd. Euro auf, unter anderem aus steuerlichen Gründen. Aber Finanzchef Maximilian Zimmerer kann auf immer noch vorhandene stille Reserven auf Aktien von 2,2 Mrd. Euro hinweisen.

Der Rückgang der Kapitalerträge trifft Kunden und Aktionäre. Der Jahresüberschuss betrug 175 Mio. Euro, 21 Prozent weniger als für 2001. Für die Kunden wollte Rupprecht eine weitere Senkung der Überschussbeteiligung nicht ausschließen, wenn sich die Märkte weiter negativ entwickeln. Für 2003 schreibt die Allianz 5,3 Prozent gut, nach 6,8 Prozent im Vorjahr.

Quelle: Financial Times Deutschland


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