Aktienkrise erschüttert Mannheimer

Lebensversicherer kann 2003 ohne Hilfe nicht überleben “ BaFin und Branche sind besorgt

Von Herbert Fromme, Mannheim Die Mannheimer Versicherungsgruppe kämpft um ihr Überleben. Schon für das Jahr 2002 musste die Mannheimer Leben wegen der Aktienkrise einen Verlust von 60 Mio. Euro melden und brauchte 90 Mio. Euro frisches Geld von der Konzernmutter Mannheimer Holding, um den Kollaps zu vermeiden. Das Neugeschäft mit Kapitallebensversicherungen wurde eingestellt, vorhandene Kunden erhalten nur noch den Garantiezins von 3,25 bis 4,0 Prozent.

2003 wird nach Berechnungen des Konzerns noch gravierender werden, wenn sich die Aktienmärkte nicht dramatisch erholen. Sollte der Dax am Jahresende einen ähnlichen Stand wie Ende 2002 aufweisen, nämlich 2892 Punkte, und sollten dieselben Abschreibungsregeln wie für das Jahr 2002 gelten, würde die Mannheimer Leben für 2003 „ein negatives Ergebnis von 250 Mio. Euro aufweisen“, heißt es im Geschäftsbericht. Das könnte auch die Konzernholding nicht mehr ausgleichen. Der Zusammenbruch wäre die Folge.

Der Fortbestand des Unternehmens sei nur unter Bedingungen gewährleistet: Entweder muss der Aktienmarkt sich nachhaltig erholen, oder die Kapitalbasis des Konzerns muss gestärkt werden, schrieb die Mannheimer in ihrem Geschäftsbericht.

Seit mehreren Monaten sucht Konzernchef Hans Schreiber einen möglichen Käufer für die Gruppe, bisher allerdings erfolglos. Die Bemühungen seien nicht eingestellt worden. „Die Bank Oppenheim ist weiter für uns tätig“, sagte er. Im März hatte die Kölner Privatbank das Mandat erhalten, einen Interessenten für die Gruppe zu suchen. Von den angesprochenen Versicherern und Anlegern war aber niemand bereit, die Gruppe oder einen substanziellen Teil zu kaufen. Jetzt will Schreiber „in wenigen Wochen“ ein Gesamtkonzept vorstellen, das möglicherweise eine Mischung aus Verkauf und Kapitalerhöhung darstellt.

Schreiber ist unter heftigem Druck der Finanzaufsicht BaFin, die einen Zusammenbruch des Lebensversicherers vermeiden will. Auch die Granden der deutschen Assekuranz fürchten die negative Wirkung für die gesamte Branche, sollte das Unternehmen kollabieren. Deshalb prüfen sie eine Gemeinschaftslösung.

Andererseits ist die Bereitschaft zur Hilfestellung nicht überall gleich groß. „Die Mannheimer und ihr Chef haben in den letzten Jahren dem größten Teil des Marktes kräftig auf die Füße getreten“, sagte ein führender Manager. Das räche sich.

Die gesamte Mannheimer Gruppe verbuchte Prämieneinnahmen von 810 Mio. Euro, ein Rückgang von 5,4 %. Der Konzern verbuchte einen Verlust von 50 Mio. Euro, verglichen mit einem Gewinn von 23 Mio. Euro im Vorjahr. Die Dividende fällt aus.

Die Krise des Lebensversicherers überschattet die Ergebnisse der anderen Konzernteile. Der Bereich Schaden-und Unfallversicherung erzielte ein Wachstum von 2,1 Prozent auf 263 Mio. Euro. Die kombinierte Schaden-und Kostenquote lag mit 99,1 Prozent der Prämieneinnahmen deutlich oberhalb der Quote vieler Konkurrenten. Der kleine Internet-Lebensversicherer Mamax hatte am Jahresende 3345 Verträge vorzuweisen, nach nur 480 im Vorjahr. Der Krankenversicherer verbuchte Beiträge von 114 Mio. Euro – die Steigerung von 15,4 Prozent liegt deutlich über dem Wachstum des Marktes von 5,7 Prozent.

Zitat:

„Wir werden in wenigen Wochen ein Gesamtkonzept vorstellen“ – Mannheimer-Chef Hans Schreiber

Der Hauptsitz der Mannheimer Versicherungsgruppe. Vorstandschef Schreiber sucht einen Käufer und will frisches Geld von den Aktionären – Ullstein.

Quelle: Financial Times Deutschland


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