Allianz Kranken bekommt Kosten in den Griff

Versicherer reduziert 2002 Aktienquote auf 3,4 Prozent

Von Ilse Schlingensiepen, München Die Allianz Private Krankenversicherungs-AG (PKV) ist auf einer ihrer größten Baustellen einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Der Versicherer bekam 2002 die Kostenentwicklung unter Kontrolle und konnte seine Schadenquote deutlich senken. Die Kehrseite der Medaille: Das Neugeschäft flachte ab, die Zahl der Vollversicherten ging zurück.

Der Krankenversicherer hatte Anfang 2003 seinen Traditionsnamen „Vereinte“ aufgegeben und segelt seitdem unter der Flagge der Allianz, zu der er seit 1994 gehört. Die Gesellschaft ist hinter DKV und Debeka die Nummer drei im Markt.

„Wir haben unsere Ziele für 2002 voll erreicht“, sagte Vorstandschef Ulrich Rumm gestern. Entscheidend ist für ihn die Verbesserung der Schadenquote, die das Verhältnis von Schadenaufwendungen zu Beitragseinnahmen beziffert. Sie betrug 82,4 Prozent und lag damit deutlich unter den 85,5 Prozent im Jahr 2001.

Was Rumm besonders freut: Nach vorläufigen Branchenzahlen stünde die PKV damit besser dar als der Durchschnitt von 82,9 Prozent. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Rumm. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle stiegen um 3,6 Prozent auf 2,0 Mrd. Euro – deutlich unter den 2001 erzielten 6,0 Prozent und dem Branchenschnitt von 5,5 Prozent.

Die Beitragseinnahmen wuchsen marktkonform um 6,5 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro, je zur Hälfte aus Prämienerhöhungen und dem Neugeschäft. Für 2003 erwartet er ein Plus bei den Beitragseinnahmen von drei bis vier Prozent. Das Neugeschäft entwickelte sich im ersten Quartal nur verhalten. Die Zahl der Vollversicherten sank 2002 um 1,1 Prozent auf 800 000. „Es war unsere Strategie, zuerst die Schadenquote in Ordnung zu bringen. Da kann man nicht gleichzeitig auch noch wachsen“, sagte Rumm.

„Trotz der schlechten Kapitalmärkte sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen“, berichtete der Vorstandschef. Die Allianz PKV musste 241 (2001: 27) Mio. Euro auf die Kapitalanlagen abschreiben. Die stillen Lasten betrugen 41,0 (50,3) Mio. EuroEuro, der Jahresüberschuss 40,0 (41,0) Mio.Euro. Die Aktienquote der PKV sank per Ende 2002 auf 3,4 (9,6) Prozent. Auch wenn sich die Märkte wieder ändern, werde das Unternehmen die Aktienquote nur „sehr vorsichtig“ nach oben fahren, sagte Rumm. Das sei eine Folge der „Stresstests“, mit denen die Finanzaufsicht BaFin prüft, ob Versicherungen weitere Schocks an den Kapitalmärkten verkraften können.

Quelle: Financial Times Deutschland


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