Victoria Leben hält „Stresstest“ nicht stand

Münchener-Rück-Tochter scheitert bei Prüfung durch Finanzaufsicht BaFin “ Stille Lasten von 1,5 Mrd. Euro belasten

Von Herbert Fromme, Düsseldorf Gewaltige Probleme mit ihren Kapitalanlagen muss die Victoria Lebensversicherung bewältigen. Wie die anderen Victoria-Gesellschaften gehört sie zur Ergo, der Düsseldorfer Erstversicherungsholding der Münchener Rück. In ihrer Bilanz für 2002 zeigt die Victoria Leben Aktienbestände im Wert von 10,48 Mrd. Euro. Der Marktwert dieser Aktien betrug Ende des Jahres aber nur 8,94 Mrd. Euro. Der Versicherer wies also am 31. Dezember 1,54 Mrd. Euro stille Lasten auf. Seit der Änderung des Paragrafen 341b des Handelsgesetzbuches im Jahr 2001 dürfen Versicherer stille Lasten bilden, wenn sie erwarten, dass die Marktwerte der Aktien wieder steigen.

Inzwischen dürfte diese Hypothek auf die Zukunft noch höher sein, denn die Börse hat seither weiter verloren. Nach den Vorschriften der Wirtschaftsprüfer muss die Victoria Leben einen großen Teil dieser Verluste Ende 2003 abschreiben, sollte es keinen Börsenboom geben.

Den zum 31. März fälligen „Stresstest“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für Lebensversicherer hat die Victoria Leben nicht bestanden. Alle Lebensversicherer müssen der Aufsicht zeigen, ob sie bei Kapitalmarktbedingungen von 35 Prozent Kursverlust am Aktienmarkt und zehn Prozent Kursverlust am Rentenmarkt in der Lage sind, jederzeit alle Verpflichtungen zu erfüllen.

„Wir haben aber der BaFin eine Reihe von Maßnahmen mitgeteilt, wie wir das Problem in den Griff bekommen“, sagte Vorstandschef Michael Rosenberg. Dazu gehörten Absicherungen der Aktienpositionen und eine weitere Reduzierung der Aktienquote auf einen einstelligen Anteil an den Kapitalanlagen. Ende 2002 lag die Quote bei 12,6 Prozent, ein Jahr davor bei 23,3 Prozent.

„Das Problem ist ohne fremde Hilfe lösbar“, sagte Rosenberg. Auch Unterstützung der Münchner Mutter sei nicht nötig. Rund die Hälfte der stillen Lasten in Höhe von 1,54 Mrd. Euro entfalle auf Beteiligungen wie den Anteil von 3,14 Prozent an der HypoVereinsbank. „Dafür gelten andere Abschreibungsregeln“, sagte Rosenberg.

Er verwies außerdem auf stille Reserven in Anlageformen wie Hypotheken, Namenspapieren und Gebäuden. Netto verbliebe deshalb nur ein Negativsaldo von 241 Mio. Euro.

Rosenberg weiß, dass diese Zahl das tatsächliche Problem verharmlost: Die Victoria Leben kann diese stillen Reserven nicht einfach realisieren, um das Aktienloch zu füllen, will sie nicht die Gewinne künftiger Jahre schon jetzt großteils aufzehren.

Ergo-Vorstand Rolf Ulrich glaubt, dass es bis Ende des Jahres eine Änderung der Regeln geben wird und die Versicherer mehr Zeit für die Abschreibung ihrer Aktienanlagen haben. „Entsprechende Gespräche führen wir auf Verbandsebene“, sagte Ulrich.

Managementfehler bei der Victoria sieht Rosenberg nicht. „Wir hatten einen Jahrhundertschaden am Kapitalmarkt“, sagte er. „Das konnte niemand vorhersehen.“

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Nationalspieler Jörg Böhme von Fußball-Bundesligist Schalke 04. Versicherer Victoria sponsert den Ruhrpott-Klub mit 6 Mio. Euro jährlich – imago/Weckelmann.

Quelle: Financial Times Deutschland


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